Ostwind und Frühlingsgefühle 

Ein Havel-Winter

Fotos: Heike Würpel

Es ist nicht so einfach, dieser Winter mitten in der weiten norddeutschen Ebene. Hier im Osten, wo der Wind so eisig pfeifen kann, das mein Atem erstarrt, kaum das er den Körper verlassen hat. Gefühlte zweistellige Minusgrade umgeben mich. Ich schaffe es kaum dreißig Minuten draußen zu sein, ohne starre Finger zu bekommen und mich nach einer schützenden Mauer zu sehnen. 

 

So sehr ich die Farben des Winters liebe und diese herrlich frische, kalte Luft, das ist ein Tick zuviel. Zum ersten Mal verstehe ich wirklich, was es heißt, das der russische Winter die Hölle ist. Es ist der gleiche Wind, es ist die gleiche Kälte, die ich hier erlebe. Kein Wunder, das jeder Feldzug gen Osten - von Napoleon bis zu Hitler - eine Katastrophe war. 

 

Einen Tag später - Kontrast pur. Der Schnee schmilzt, Frühlingswärme. Der Wind hat nach Westen gedreht und Temperaturen mitgebracht, die mich schwitzen lassen. 

 

Ich kann den Wechseln kaum folgen. Die Kleider, die ich anhabe, sind prinzipiell die Falschen. Ich hinke den Entwicklungen hinterher. Und schaue einer Natur zu, die aus dem Fugen geraten ist. Als ich nach Silvester von der Ostsee zurück kam, empfingen mich bei Berlin blühende Kirschbäume. Einen Tag später werden sie erfroren sein. 

 

Es fliegt uns um die Ohren, was wir schon die ganze Zeit in Szene gesetzt haben. Und selbst jetzt schauen die meisten Menschen in eine andere Richtung und leugnen vehement, was vor ihren Augen geschieht. Das Wetter ändert sich rapide. Die Extreme nehmen rasant zu. Die Natur zwingt uns zum Hinsehen, je eher, umso besser. Sie zwingt uns auch dazu, die Starre zu beenden, die engen Denkkorsette zu lockern und uns von der irrigen Idee zu verabschieden, das wir mit dem Wandel in der Welt dort draußen nichts zu tun haben. 

 

Ich laufe durch das Land, ein Auto brauche ich auch weiterhin nicht, ich schaue dem Licht zu, folge den weißen Reihern im Flug, beobachte die Rehe auf den weiten Feldern und den Amseln, die nicht so recht wissen, ob sie freudig singen oder sich schützend hinter der nächsten Hecke einigeln sollen. 

 

Ich bin glücklich mit mir. Mit der Art, wie ich lebe. Aber ich registriere auch, was um mich herum vorgeht. Und ich weiß - was immer in den nächsten Monaten geschieht - jeder wird sich seine eigene Hölle und seinen eigenen Himmel schaffen, in einer Welt, die um eine neue Balance ringt. Jeder hat die Wahl, sich der Angst zu ergeben, die Panik regieren zu lassen, die Hände gen Himmel zu strecken und achselzuckend aufzugeben oder sich zu ändern. Zu dem Menschen, der sie schon immer sein wollten. 

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