Weihnachten allein 

Ein-Blick von Außen

Zum ersten Mal fühle ich mich nicht einsam. Zum ersten Mal genieße ich die Stille vollkommen. Es ist, als hätte ich mir selbst einen Last von den Schultern genommen. Gewoben aus Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen von Anderen. Zum ersten Mal habe ich kein schlechtes Gewissen, weil ich das tue, was ich will und nicht das, was gefordert ist. Unausgesprochen und gerade deswegen umso lauter. 

 

Ich feiere Weihnachten nicht umgeben von den Menschen, die ich liebe. Ich feiere sie nicht mit meinen Eltern, mit Freunden. Ich feiere überhaupt nicht. Weil in mir kein Wunsch danach ist. Ich bin ganz still und lausche dem Treiben auf den Strassen. Ein Hotel ist mein zu Hause. Mitten in Stralsund. Mit Blick auf die wunderschöne Marienkirche. Unter mir die Strasse, die immer stiller, ruhiger und unbefahrener wird, je näher der Abend rückt. 

 

Die gesamte Stimmung verändert sich. Diese flirrende Hektik und umtriebige Energie verstummt. Endlich. Es ist fast wie in diesen frühen Morgenstunden, zwischen vier und fünf Uhr, wenn alle noch schlafen und der Raum für meine Gedanken so klar und rein ist, wie ich es mir immer wünschen würde. Herrlich! Einfach herrlich. Ich kann die vielen Stuben spüren, in denen jetzt Geschenke verteilt wird und trotz aller Verzerrungen endlich einmal Raum für Miteinander und Liebe ist. Ein Zauber hat sich über das Land gelegt. Endlich.

 

Warum kann es nicht jeden einzelnen Tag so sein? 

 

In diesem Augenblick wird mir klar, warum ich eigentlich allein sein wollte. Mir ist der Grund für Weihnachten entglitten. Er hat seinen Sinn verloren. Ich brauche diesen einen Abend nicht mehr, um zu lieben. Ich brauche keinen Anlaß, keine Anregung aus dem Kalender, um mich denen nahe zu fühlen, die in meinem Herzen wohnen. Ich warte nicht auf Weihnachten, um der Liebe den ersten Platz in meinem Leben zu geben und sie mit Jedem zu teilen, der mir begegnet. Ich tue es in jedem Augenblick.

 

Für mich ist Weihnachten zum ersten Mal ganz bewußt ein vollkommen normaler Tag in meinem Leben. Nur die Welt dort draußen, hat ist nahe gerückt. Nur sie hat sich bewegt. Ich bin schon da. 

 

Und auch wenn diese wunderbare Stille morgen wieder vorbei sein wird, naja, spätestens übermorgen. Auch wenn dann die Straße wieder befahren wird und die Hektik zurückkommt. Ich vergesse den Zauber nicht. Ich vergesse nicht, das diese Welt sehr wohl innehalten kann. Und ich weiß, das die Sehnsucht der Menschen genau dorthin geht. Das ist mein Geschenk. 

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