Beziehungstransformation 

Von Eltern und Freunden

Es war ein turbulenter Tag. Zwei turbulente Tage. Eine Gefühlsachterbahn von Extrem zu Extrem. Pausenlos. Tiefste Traurigkeit und ungezähmte Wut. Freude, Glück, Vollkommenheit und Lachen. Ich war gestern abend so erschöpft von den Tsunami-Wellen in mir, das ich um acht ins Bett gefallen bin, wie ein Stein. 

 

Heute morgen war alles wie neu gewaschen. Die Gefühle sind noch da, aber sie haben sich in einen ruhigeren Modus verwandelt und laufen wie Hintergrundmusik in meinem Herzen. Mit gelegentlichen Vulkanausbrüchen und Tränenmeeren. 

 

Was geschieht? Loslassen. Loslassen. Loslassen. 

 

Loslassen von dem Gefühl, meinem Freund helfen zu müssen. Von der inneren Verpflichtung, ihn zu unterstützen. Koste es, was es wolle. Um jeden Preis. Auch um den Preis meines eigenen Lebens. Loslassen von der Angst, er würde wieder in meinen Armen liegen und sterben. Und ich würde mich wieder dafür verantwortlich fühlen. So, wie vor vielen Leben. So, wie in vielen Leben. 

 

Loslassen, vom "Mutter sein" im Herzen. Loslassen von dieser Instanz in mir, die ihm nicht zutraut, erwachsen sein zu können. Jedenfalls nicht so, das ihm nichts geschieht. Ich wollte beschützen, ich wollte behüten und verhindern, was ich nicht verhindern kann. Und habe mir damit eine riesige Last aufgebürdet, die mich permantent zu Boden gedrückt hat.

 

Er hat sein eigenes Leben. Er ist für sich selbst verantwortlich. Nur er kann entscheiden, was für ihn richtig ist. Und er ist der Einzige, der den wirklich passenden nächsten Schritt kennt. 

 

Es ist so schwer, weil ich so viel wahrnehme. Es ist so schwer, weil ich die Kämpfe in seinem Inneren so genau spüre, wie meine Eigenen. Es ist so schwer, weil ich so viele Zusammenhänge und Verbindungen ahne, die unsichtbar bleiben, wenn man mitten drin steckt. Aber ich kann ihm nichts abnehmen. Ich kann es nicht. 

 

Ich habe gestern vor dem Schlafen noch "Everest" geschaut und war mit dem gleichen Thema konfrontiert. Mit diesem intuitivem Gefühl von Frauen, die ihre Männer nicht gehen lassen wollen, weil sie spüren, das etwas geschieht. Von Männern, die aus falsch verstandenem Mitgefühl anderen helfen wollen und dabei sich selbst umbringen. Von den Folgen, die eigene innere Stimme niederzukämpfen. Von dem Ehrgeiz, etwas beweisen zu müssen, koste es, was es wolle. 

 

Was immer diese Männer auf den Berg getrieben hat, was immer meinen Freund antreibt, sie müssen es tun. Sie müssen ihre Erfahrungen machen, so, wie ich meine. Auch ich würde niemanden wollen, der mir - wie nett es auch immer gemeint ist - hineinredet. Wenn ich so etwas spüre, dann gehe ich auf Abstand. Und genau das geschieht mir jetzt. Abstand. Die kalte Schulter. 

 

Es hat mich zerrissen, gestern. Es hat so unendlich weh getan. Es war wie Sterben. Abschied für immer. 

 

Aber jetzt fühle ich, das es der Beginn von etwas Neuem ist. Einer neuen Freiheit. Ohne Bürde, ohne Verpflichung, ohne falsche Verantwortung und auch ohne das leise Gefühl von Überlegenheit oder ein Helfersyndrom. 

 

Wir werden uns wiedersehen. Anders. Erwachsener.

 

Ohne alte Eltern-Rollen. Ohne dieses wohlbekannte Muster, in dem Frauen Mutter statt Partnerin sind; Männer ihre "Mutter" heiraten und dann Sohn bleiben bis in alle Ewigkeit. Ich möchte kein Kind und keinen pubertierenden Jugendlichen zum Freund und ich möchte keine übervorsichtige Glucke sein. Ich möchte nicht behüten, beschützen und das Nest pflegen. Ich will ich sein und mein eigenes Leben leben. Genau, wie du deines. Ich übernehme die volle Verantwortung für mich und ich gebe dir deine zurück. Wie auch immer es am Ende ausgeht. Es wird ein Geschenk sein. So, wie dieser Clash eines ist.

 

Ich nehme Abschied von der Mutter. Es ist Zeit, Frau zu sein. 

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