In der Tiefe des All-EinSeins

 Durch die Nacht ins Licht

Ich bin allein. Ganz allein. Die vielen teilweise sehr, sehr tiefen Begegnungen mit Freunden haben mir dieses Alleinsein so bewußt gemacht, wie niemals zuvor. Es ist unmöglich, meine Erfahrungen so in Worte zu fassen, das sie dem anderen fühlbar werden. Es ist mühsam, zu erleben, wie anders Worte interpretiert werden können, wenn sie auf Wunden in meinem Gegenüber treffen. Es tut weh, es zu sehen; es tut weh, es zu fühlen. Es tut weh, Reaktionen zu sehen, die ich nie auslösen wollte.

 

Zum ersten Mal wird mir klar, wie sehr Worte im Weg stehen können, weil sie letztlich übersetzen müssen, rudimentär und zwangsläufig unvollständig. Denn dieser Reichtum in mir, diese vielen Facetten der Wahrnehmung sind so umfassend, das nur Gefühls-Schnelle, nur der direkte Weg der Telephatie wirklich funktionieren kann.

 

Der Blick in die Augen ist das, was mir alles sagt und mit dem ich alles sagen kann. Im Bruchteil eines Augenblicks. Meine Gefühle sind die wirkliche Sprache. Meine Wahrnehmungsfähigkeit der Energie, die existiert und im Raum fließt, ist wirklicher als Worte. Das, was nicht ausgesprochen werden muss, ist vor der Zeit unterwegs. Blitzschnell. Gedanken sind dagegen behäbige Gesellen.

 

Ich bin allein. Weil genau dieser Fluss in mir auf Barrieren trifft. Überall. Barrieren aus Angst. Auf Wunden. Auf Reaktionen. Verteidigung. Abwehr. Die Momente der Offenheit dazwischen sind wie ein Gedicht, eine Feier und pure Ekstase. Für uns Beide. Dich und mich. Sie erinnern uns an die Wirklichkeit hinter dieser Welt. 

 

Ich reise durch das Alleinsein in einer Tiefe, die ich mir nie hätte vorstellen können. Ich trage dieses Trauma das Getrenntseins in mir vom Moment meiner Geburt an. Den Moment, an dem die Kommunikation plötzlich schwer wurde. Den Moment, an dem der freie Seelenfluss mit allen Wesen plötzlich von Staumauern umgeben war. Der Moment, in dem mein Körper eine sichtbare Grenze gezogen hat zwischen einem "mir" und "dir". Der Augenblick, in dem Haut mich sichtbar abgeschottet hat. 

 

Für mich geht es in diesem Leben darum, diese Trennung aufzuheben. Durchlässig zu sein, zu bleiben, zu werden. Alle Vorbehalte fallen zu lassen, alle eigenen Mauern zu öffnen, alle eigenen Wunden zu heilen. Und zu dem Wesen werden, das ich immer war. Grenzenlos. Fühlend. Vollkommen offen. In diesem Körper das zu sein, was ich wirklich bin. Pure Seele. Pure Liebe. Pures Umarmen, Verstehen und Zulassen. 

 

Dafür muss ich durch das Allein-Sein reisen. Durch die dunkle Nacht. Den Moment des Schock's bei meiner Geburt, den ich gestern wieder so gespürt habe, als wäre keine Zeit dazwischen vergangen. Durch die vielen Augenblicke in den letzten Wochen, die mich mit jeder Begegnung mehr in das Verstehen des Allein-Seins begleitet haben. Die Wochen, die mir die Unvollkommenheit bewußt gemacht haben und die Grenzen. 

 

Heute, jetzt, hier, in diesem Moment fühle ich Frieden. Erleichterung. Klarheit. Und gleichzeitig ist das die Gewissheit, das dieser Prozess weitergeht. Der Prozess des Öffnens. Der Prozess der Verstehens und der Prozess des "ich selbst seins". In diesem Körper. In dieser Welt. In dieser Wirklichkeit.

 

Inmitten von Angst, Abwehr, Verteidigungslinien und Verdrängung. Inmitten einer Menschheit, die alles tut, um ihr All-EinSein nicht zu spüren. Mit Lärm. Mit Ablenkung. Mit Druck. Mit Zeitmangel. Mit Essen. Kaffee. Rauchen. Drogen. Mit Autos, Arbeit, Fernsehen, Radio und Häusern. Mit Konsum und Computerspielen. Mit fiebriger Kommunikation, mit ständig bereiten Smartphones. Mit neuen Beziehungen und Verliebtheit. Mit alten Beziehungen, Verpflichtungen, Regeln, Gesetzen, Tageseinteilungen und Gewohnheit. Mit allem, was das Alleinsein aussperren kann. Mit allem, was Sicherheit verspricht in der Unendlichkeit. Einen Bezugsrahmen zum Festhalten. Etwas, das vor dem freien Fall in die Leere und Dunkelheit zu schützen verspricht.

 

Aber damit auch mit allem, was den eigentlichen Weg verstellt. Den Weg der Seelen. Den Weg, nach dem sich tief innen jeder so sehr sehnt. Weil wir ihn alle kennen. Weil wir alle wissen, wie es sich wirklich anfühlt. Weil wir alle aus der gleichen Quelle kommen und die gleichen Erfahrungen gemacht haben, als wir in diese Welt gekommen sind.

 

Der Weg zu uns selbst führt mitten durch das Alleinsein. Mitten durch die Angst. Mitten durch die tiefe Nacht. Durch die Dunkelheit ins Licht. Ohne jede Abkürzung. 

 

Es gibt keinen Anderen.

 

 

 

 

 

 

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Marco Schlüter / pixelio.de
Foto: Peter / pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Herbert Raschke / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Foto: Susanne Richter / pixelio.de
Foto: roja48 / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Foto: Peter A / pixelio.de
Foto: Carolin Daum / pixelio.de
Foto: Thomas Wiesendahl / pixelio.de
Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
Foto: H.D. Volz - pixelio.de
Foto: hum / pixelio.de
Foto: Maren Beßler - pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Foto: Alexander Altmann / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de