Brocken mal Zwei 

Gefühlskarussell im Doppelpack

Tag 1 - Mit Sonnenschein und in der Gruppe

Fotos: Heike Würpel

Strahlender Sonnenschein. Fröhliche Leute. Aufbruchstimmung. Es macht Spass durch das Ilsetal zu wandern und die Wärme auf der Haut zu spüren. Dann wird der Weg lang. Und länger. Jetzt spüre ich deutlich, wie sehr ich in den Winterschlaf gefallen bin. Alle sind weit vor mir. Munter. Voller Energie. Und ich fühle mich wie eine Schnecke. Aber dafür bekomme ich ein Geschenk. Ich höre meine Schritte im Schnee. Das Knirschen. Und ich halte hier und dort mal an und mache ein Foto, um die Schönheit einzufangen. 

 

Der Hauptweg zum Gipfel. Es ist noch weiter. Viel weiter, als es mein Körper will. Bin ich jemals so geschlichen wie heute? Ist das der innere Prozess, der mich so müde macht? Oder ist es einfach zuviel auf einmal? Der Weg ist voller Menschen. Eine wahre Völkerwanderung. Läufer rennen an mir vorbei den Berg hoch. Ihr Schnaufen ist kilometerweit zu hören. Meines auch. Meine Schritt gehen schwer, die Energie ist fast am Ende und einige Momente glaube ich, das ich es einfach nicht schaffe. Was würde dann passieren? Naja, mein Stolz würde sich winden. Und wie. Doch sonst? Nichts. Ich bin einfach so langsam im Augenblick. Keine Rechtfertigung ist nötig. Nur der Mut, mich genauso zu zeigen. Mir wird kein Zacken aus der Krone brechen. Und ich bleibe ich. Muss ich perfekt sein? Muss ich schneller sein? Muss ich immer die Führerin sein und vornweg laufen? Nein, muss ich nicht. Ich darf auch zusammenbrechen. Ich darf auch schwach sein. Endlich einmal fühlt sich das nicht schlecht an. Sondern es gehört zu mir, wie jede andere Facette. So komme ich am Gipfel an. Ausgepowert, unendlich fertig, aber lächelnd. Einfach lächelnd. Ich bin irgendwie im Frieden mit mir. Und Gott sei Dank gibt es einen Zug zurück. Obwohl - wer weiß - nach der köstlichen Erbsensuppe, der heißen Schokolade und einem Twix wäre ich ja vielleicht doch fröhlich den Berg hinuntergerollert nach Schierke?

 

Doch so ist es perfekt. Mit dieser lustigen Bimmelbahn bis zurück nach Wernigerode zu fahren macht richtig Spass. Mitten im Gewimmel der Menschen. Lachend. Fröhlich. Laut redend.... Ich bekomme nichts mehr von der Landschaft mit. Aber das macht nichts. Ich bin ja noch einen Tag hier....

Tag 2 - Fast ohne Sonne und allein

Fotos: Heike Würpel

Es ist ganz anders heute. Ich stecke voller Energie. Nach dem gestrigen Fast-Zusammenbruch bin ich selbst von mir vollkommen überrascht. Es war so etwas wie ein Weckruf. Hallo! Heike! Frühling ist da! Ende des Winterschlafs! Du kannst wieder aufwachen! Ich habe solche Lust zu laufen!!!!!

 

Und - ich will noch einmal auf den Brocken. Mit ganz viel Zeit zum Fotografieren. Mit ganz viel Zeit zum Anhalten. Zum Lauschen. Zum Fühlen. Ich will nochmal hin und ganz da sein. Und vor allem will ich diesen herrlichen Winter noch einmal spüren. Die schneegekrümmten Bäume. Sturmverkrüppelt. Einsam in der weißen Weite. Es gab kaum Winter. Jetzt brauche ich die ganze Ladung, damit der Frühling wirklich kommen kann.

 

Der Weg wird am Ende länger als gestern. Ich gehe von Schierke hinauf und durch das Ilsetal wieder hinunter. Es hat frisch geschneit letzte Nacht und ich folge etwas anderen Wegen. Dorthin, wo es wild ist und ich eine Gruppe nie hinführen würde. Aber allein ist es was anderes. Da bin ich nur mir selbst gegenüber verantwortlich und kann auch mal über Abründe balancieren oder Eispassagen ausprobieren. Das letzte Stück zum Gipfel bleibt der gleiche Weg. Aber alles sieht neu aus.

 

Alle paar Meter bleibe ich stehen, weil diese Bäume mich so faszinieren. Ich kann mich nicht sattsehen an den Formen. Ich kann mich nicht sattsehen am Schnee. Ich kann mich nicht satthören an der Stille. Heute ist kaum jemand unterwegs hier oben. Der breite Weg bleibt oft ganz leer. Diesmal komme ich in Kontakt mit dem Berg. Ich kann spüren, das ich auch diese Landschaft liebe. Mein Herz öffnet sich mit dem Fühlen. Ich bin nur mit mir beschäftigt und mit der Natur um mich herum. Wie in einer eigenen Welt, in einem ganz geschützten Kokon. 

 

So steige ich auch wieder hinunter. Vom tiefsten Winter in den Frühling. Das erste Grün. Die wilde Ilse. Schmale Pfade. Wunderbare Ausblicke. Und die unglaubliche Kraft des Wassers. Es wird dunkler. Und als ich endlich zurück in Wernigerode bin, ist der Himmel schwarz geworden.... Aber in mir - da strahlt es. Ein Kerzenlicht funkelt in meinem Herzen. Ich komme wieder. Es ist so schön hier....

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
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Foto: Peter / pixelio.de
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Foto: Heike Würpel
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Foto: Heike Würpel
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Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
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Foto: Heike Würpel
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