Tag 4 - Von Überlingen nach Lindau

Entfernung: ca. 60 Kilometer

                          Fotos: Heike Würpel

Der Morgen ist so lärmig, wie ich befürchtet habe. Nein, es ist schlimmer. Schon um sieben werde ich vom Geklapper und Reden unten im Laden und Restaurant geweckt. Die Zimmer sind extrem hellhörig. Die Treppenstufen knarren. Ich verstehe alles, was eine Etage tiefer geschieht. Und natürlich strahlt ein Geschäft, diese umtriebige Energie aus. Schnell, schnell - alles muss sofort fertig sein. Ich fühle den Druck, ich fühle die Anspannung. Hilfe!!!!!

 

Trotzdem schaffe ich es, zu frühstücken, mittendrin. Aber dann muss ich weg. Auch wenn mein Knie heute wehtut und mich warnt. An das Thema, mit dem ich diese ganze Zeit schon wandere, reise und bin. In mir findet ein Kampf statt, der mein ganzes Leben bestimmt. Ein Tauziehen zwischen Zielorientierung und Leistungswillen auf Teufel komm raus und dem Loslassen von allen Zielen. Keines von Beiden ist stimmig. Beides fühlt sich schräg an, unvollkommen. Ich möchte beides, in Harmonie. Ich möchte Ziele verfolgen, ich liebe diese Klarheit in eine Richtung zu gehen, aber ich möchte mich damit nicht zerstören. Ich möchte es nicht auf Kosten meines Körpers tun. Im Augenblick jedoch, arbeite ich gegen mich selbst. Dieser innere Antreiber ist so stark, das ich die körperlichen Signale vollkommen überfahre. 

 

So ist es auch jetzt. Ich habe in mir diese übersprudelnde Freude an der Bewegung und dann ist da mein Knie, das mir eine klare Grenze zeigt. Muss ich meine Idee von Berchtesgarden vergessen? Ist es an der Zeit, ruhig weiterzumachen? Vielleicht den See zu umrunden und gut ist's? 

 

Den ganzen Tag begleiten mich diese Überlegungen. Und ich radle weiter und weiter und weiter. Nirgendwo finde ich es so schön, das ich bleiben möchte. Nur wenige Orte sind eine echte Pause wert. Birnau zum Beispiel, das Seeufer dort in der Nähe. Immenstaad und sein Bioladen. Die Klosterkirche in Friedrichshafen. Wasserburg. Meersburg dagegen erscheint mir wie eine künstliche Puppenstubenschönheit. Touristenfalle. Es hälte mich keine Minute dort. Das Wetter wird zum Regen. Nieselig. Ungemütlich. Meine eh schon kurzen Pausen werden noch kürzer. In mir ist Nachdenken. Überlegen. Ich weiß nicht so richtig weiter.

 

Und am Ende des Tages lande ich am anderen See-Ende - in Lindau, auf der Insel, suche mir ein kleines, schönes Hotel und geniesse den Abend. Aber mein Knie, das ist weiter präsent. Was mache ich damit? Irgendwo ist ein Weg, ich kann es fühlen. Auch wenn ich ihn noch nicht gehen kann. 

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