Geburtstagsgedanken im Nachtrag

 Danke an mein Leben

Es ist der 26. Juli 2016. Ein Tag vor meinem 45. Geburtstag. Der Tag, den ich seit Jahren schon fast mehr feiere als den Geburtstag selbst. Denn heute habe ich als Baby entschieden, das ich geboren werden will. Ich habe im Bauch meiner Mutter den Startschuß gegeben, für die Wehen. Ich habe ganz offiziell und unwiderruflich "Ja" gesagt, das Licht der Welt zu erblicken. Wieder einmal. Ein neues Leben. Ein neuer Körper.

 

Ich bin in Edinburgh, mitten in der St. Giles Kathedrale an der Royal Mile und weine. Kein Schmerz. Dankbarkeit strahlt in mir. Wie eine Sonne. Sie lässt alles schmelzen, weswegen ich strauchle, zweifle und aufgeben will. 

 

Es ist nicht nur die Dankbarkeit für dieses Leben. Es umfasst meine ganze Existenz auf dieser Erde. Es reicht zurück in die ersten Augenblicke in einem Körper vor tausenden von Jahren. Ich kann mich sehen, mich fühlen. Jetzt. Hier. Und damals. Ich fühle das Geschenk all dieser Erfahrungen. So ein unendlicher Reichtum. So ein unendlicher Wissensschatz. Alles ist wertvoll. Jeder einzelne Augenblick. Jede Bewertung verschwindet. Weggewischt. Weil ihre Bedeutung bedeutungslos geworden ist vor dem Verstehen des großen Ganzen. 

 

Jeder Moment lässt mich mehr sehen von diesem unendlichen Bild, diesem Gemälde aus Schönheit, Einzigartigkeit und Gefühl. Jeder Tag erinnert mich daran, wie wichtig jeder Pinselstrich ist. Nein, hier ist nichts umsonst. Hier geht nichts verloren. Hier gibt es keine Einbahnstraße. 

 

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Die nächsten Tage sind gefüllt mit Glückwünschen. Kurz. Lang. Tief. Voller Humor. Voller Innigkeit. Voller Liebe. Mal im Vorbeischlendern, mal mitten aus dem Seelen-Austausch. So verschieden, wie die Menschen, die sie aussenden. Doch alle berühren mich. Alle verbinden mich wieder auf's Neue mit den vielen Gesichtern dieser wunderbaren Erde. Mit der Buntheit der Erfahrungen. Mit euch - meinen Freunden. 

 

Am Ende klingen für mich zwei Wünsche in der tiefsten Seele. 

 

Ein Herzens-Austausch mit einem wundervollen Text von Konstantin Wecker und ein Anruf der mein Buch wieder in die Welt zurückgeholt hat. Der meine Zweifel verschwinden ließ. An mir. 

 

Es sind Glückwünsche, die nachklingen, in mir. Wie ein wundervolles Orchesterstück. Und die weit in die Zukunft hineinreichen. Wie ein Dominostein, der eine ganze Kette in Gang setzt. 

 

Aber ich vermisse auch zwei Freunde. Sie haben mir nur Stille geschickt. Ich weiß nicht warum. Mir fehlt der Klang ihrer Stimmen. Ihre Worte. Ihre Präsenz. Einen Freund konnte ich wenigstens fühlen - in Zerrissenheit und Liebe, eine Freundin ist wie verschwunden. Sogar im Energie-Äther. 

 

Es ist schwer für mich, damit zu sein, zu fühlen, das sie nicht da sind. Die Traurigkeit begleitet mich. Genauso wie die Dankbarkeit für alle diese Wünsche und die Menschen, die auf ihre Art mit mir verbunden sind. Ich kann sie alle spüren. Ich kann euch alle spüren. Und ich fühle mich auch mit und durch euer Sein so reich in meinem Leben.

 

Doch ich merke auch einmal mehr, das nichts das ersetzen, was nur ich mir selbst schenken kann. Verstehen. Mitgefühl. Und Liebe. Unverstellt. Ungefiltert. Absichtslos. Und wissend. Jeder Wunsch von Freunden ist eine Erinnerung daran. 

 

Den Text von Konstantin Wecker möchte ich teilen, weil es so wunderschön ist. Und weil ich ihn gelesen habe, als ich aus der Kathedrale kam. Lächelnd. Weil wieder einmal alles zusammenpasst. Im richtigen Moment.

 

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Ich danke dir Leben,
hast mir so viel gegeben,
eine Stimme zum Singen
bringt die Worte zum Klingen,
Hände zum Spielen,
an vielen Klavieren,
Lust am Erlernen
und Ausprobieren
und so viel Zeit
voller Zärtlichkeit.

 

Ich danke dir Leben,
hast mir so viel gegeben,
durfte lachen und schweben
trotz all der Stürme und Beben.
Auch einsame Stunden
und schmerzvolle Wunden,
doch du wolltest mich führen
mich selbst zu erspüren,
unter funkelnden Sternen
das Lieben zu lernen.

 

Ich danke dem Leben,
den Flüssen, den Reben,
den Winden, den Bäumen
und ich dank meinen Träumen,
denn sie ließen mich fliegen,
die Starrheit besiegen
und es ließ mich erkennen:
wir sind nicht zu trennen,
woher wir auch stammen -
wir sind eins und zusammen.

 

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