Am Ende der Freundschaften

 Vom eigenen Aufrichten

Bis gestern war mir nicht bewußt, wie wichtig mir meine Freunde wirklich sind. Wie sehr sie mir Halt geben auf meinem Weg - ohne äußeren Halt. Quer durch diese Welt. Ungeschützt. Offen. Neugierig. Bis gestern war mir nicht bewußt, das in meinem Inneren nur noch funktionierende, tiefe Freundschaften als "zu Hause" fungieren. Weil es kein anderes "zu Hause" mehr gibt. Weil es sonst nichts Stabiles, "Unveränderliches" mehr gibt in meinem Leben. Ein Leben, in dem ich fliege, fließe und von Augenblick zu Augenblick reise. Bis gestern war mir auch nicht gewußt, das ich alles getan hätte, um diese Freundschaften zu erhalten. Alles. Schweigen. Übernahme von Verantwortung. Hinterherlaufen. Einfach alles, was nötig ist, damit es weiter geht. Damit der Austausch weiter stattfindet. Egal, was es kostet. 

 

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Doch - dieses Jahr steht unter dem Stern der Abschiede. Es steht unter dem Stern des Loslassens und Weitergehens. Mit dieser Entscheidung ist Mut in mir gewachsen. Mut, zu sagen, was ich fühle. 

 

Es ist nicht mehr der Mut, der etwas riskiert. Ein Mut, dem ein drohendes Ende einer Freundschaft als Damoklesschwert über dem Kopf schwebt. Ich denke gar nicht an irgendwelche Enden. Es ist mehr ein Beobachten und Sein zugleich. In einem Atemzug. Ja, ich bin einfach nur noch ich selbst. Spontan. Intuitiv. Direkt. Ich denke nicht mehr nach, wie es beim Anderen ankommen könnte. Ich achte nur darauf, wie ich in diesem Augenblick bin. Bin ich offen oder verschlossen? Ist mein Herz dabei oder hat es sich verabschiedet?

 

Ich will nicht mehr helfen oder irgendwas aufzeigen. Ich will nicht mehr bekehren oder missionieren. Ich weiß nichts besser oder muss mich verstecken. Ich bin einfach nur da. So, wie ich bin. Genau so. 

 

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Auf die Art und Weise bin ich innerhalb von nur zwei Wochen mit zwei meiner ältesten Freunde - beides Männer - mitten im Ende gelandet. Bei Beiden geht es um mein Sein. Es wird beurteilt. Es wird verurteilt. Es wird bewertet und gekreuzigt. Beiden ist meine Art zu leben ein Dorn im Auge. Der Eine wirft mir vor auf Kosten von Umwelt, Menschen und Gesellschaft ein gemütliches, schönes und einfaches Leben zu kreieren. Derweil die Welt um mich herum in Flammen steht. Der Andere betrachtet mich als Egoisten, bei dem alles nach seinen Vorstellungen funktionieren muss. Beide Auseinandersetzungen haben mich tief getroffen. Weil beide sehr persönliche Angriffe waren, die mitten in meine Angst zielten. Die Angst, tatsächlich so zu sein, wie sie mich sehen.

 

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Starre. Schock. Unglauben. Schmerz. Tränen. Verletzung. Offene Wunden. Bluten.

 

Nachfühlen. Nachdenken. Analysieren. Was ist hier wirklich geschehen? 

 

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Nein. Ich bin nicht so, wie sie mich sehen. Ich bin es tatsächlich nicht. Es ist ihre Brille. Es ist ihre Ansicht. Es ist ihre Projektion. Sie haben eine Brille aufgesetzt und betrachten mir durch ihre Filter. Verzerrt. Bis ins Gegenteil. Das, was sie wahrnehmen ist nicht meine Realität. Es ist nur ihre. Und dort lasse ich sei auch. Bei ihnen.

 

Loslassen. Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört. 

 

Mein Wissen um mein wirkliches Sein ist stark geworden, sonst wäre ich nicht nach wenigen Stunden wieder in meinem Frieden angekommen. Eine neue Erfahrung. Eine wunderbare Erfahrung. 

 

Noch etwas ist neu. Auch wenn mein Herz offen geblieben ist für sie, es ist auch eine deutliche Trennung entstanden. Eine klare Grenze. Ein "Stellung beziehen". Persönliche Angriffe sind keine Lapalie. Es wird kein kommentarloses Herunterschlucken mehr von mir geben. Keine Angst vor Konfrontationen. Ich bleibe stehen. Zu mir. Mit mir. 

 

Danke, an euch beide für dieses Geschenk. Für diese Gelegenheit, eine ganz neue Seite von mir zu erleben. Ich hätte nicht gedacht, das auch das in mir steckt. Und bei allem Feuer, es fühlt sich grandios an. Aufrecht. Ja, ganz aufrecht. 

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