Flieg, flieg, flieg

Die andere Seite der Freiheit

 

Flieg, flieg, flieg

in den Himmel

Flieg, flieg, flieg 

in die Freiheit

Die niemand zerstört.

Weil der Himmel

den Träumern gehört.

 

-Udo Jürgens-

Diese Worte tönen gerade in mir und breiten sich aus, nachdem ich durch Schmerz und Tränen gereist bin. Tränen aus dieser alten Wunde, nicht verstanden zu werden. Und nicht so gesehen zu werden, wie ich wirklich bin.

 

Es ist kein einfacher Weg, den ich gehe. Auch wenn es für so viele Menschen so aussieht. Es scheint so leicht zu sein, zu fliegen. Es scheint so leicht zu sein, sich von all dem zu verabschieden, was ein normales soziales Umfeld, Besitz, Eigentum und eine Wohnung so an Sicherheit schenken. Es scheint so leicht zu sein, wenn man das eigene Leben als zu eng empfindet. Es scheint so willkommen zu sein, wie eine Flucht aus dem eigenen Sein. Aber es hat eine Seite, die keiner sehen möchte und nur die wenigsten zu fühlen oder zu ahnen bereit sind. 

 

Ich fliege allein. Niemand ist an meiner Seite. Niemand kommt mit mir, wenn ich durch den Himmel und über die Erde reise. Da ist kein Gefährte. Kein Partner. Keine Familie. Da sind keine Kinder. Kein Netz. Kein doppelter Boden. Nichts, was mich auffangen kann, außer meine eigenen Flügel. Ich muss mir selbst vertrauen. Mir selbst helfen. Mich selbst umarmen. Und mir selbst all das schenken, was mein Herz, meine Seele und mein Wesen braucht, um sich warm, wohlig und geliebt zu fühlen. 

 

Es gibt kein warmes Nest, in das ich mich zurückziehen kann. Kein Haus, das auf mich wartet. Kein finanzielles Polster, das Schutz gewährt. Ich lebe von dem, was ich habe. Jetzt und hier. Ich lebe von dem, was ich mir erarbeite. Wenn es nicht genug ist, dann trage ich selbst die volle Verantwortung dafür. Und muss mich mit den Folgen auseinandersetzen. Das gilt nicht nur für heute. Das gilt solange ich in diesem Körper lebe. Selbstverantwortung pur.

 

Genauso ist es bei meiner Gesundheit. Mit meinem Körper. Ich übernehme auch dafür die volle Verantwortung. Wenn ich Hilfe benötige, dann zahle ich dafür. Von dem, was ich verdient habe. Doch das meiste kann ich selbst lösen. Ich habe die Fähigkeiten in mir, das spüre ich, das erlebe ich. Der Einwand, "Ja, jetzt bist du noch jung und gesund, jetzt geht das", zählt nicht, es gibt genügend Themen, die mich beschäften, auch wenn es vielleicht nicht sichtbar oder ausgesprochen ist. Ich habe jeden einzelnen Tag Gelegenheit, Heilerin an mir selbst zu sein. Mit allem Auf und Ab, das damit verbunden ist. Und immer vor dem Hintergrund, das ich wirklich für mich selbst sorgen muss. Es gibt niemanden, der mir diese Verantwortung abnimmt. Da bin nur ich. 

 

Ich fliege allein. Ich habe diese Entscheidung getroffen. Ich wollte es so. Weil ich spüre, das nur das meinem Wesen entspricht. Es ist eine Freude, so frei zu sein. Es ist Glückseeligkeit und Licht. Es ist Strahlen und Frieden und Stille. Ich liebe es. Es ist so wunderschön.

 

Und es könnte so einfach sein. Es könnte so einfach sein, es zu teilen. Es könnte so einfach sein, die Erkenntnisse, Beobachtungen und dieses Sein zu verschenken, wohin auch immer ich komme. Es könnte als Berreicherung verstanden werden. Als Gabe. Das wird es auch oft. Und es ist pure Erfüllung. Sternstunden. Magische Momente. Danke an alle, die mir diese Augenblicke ermöglichen. Danke, danke, danke!!!

 

Aber so ist es nicht immer. Ich bin immer wieder mit einer Welt konfrontiert, die den Wert einer Begegnung in Geld aufwiegt. In materiellem Gegenwerten. In dem, was für sie dabei herausspringt. Mit einer Welt, in der ich für ein Zimmer irgendwo zwischen 60 und 80 Euro pro Nacht zahlen muss. Weil es nun mal Teil einer Ferienwohnung ist. Weil die Leute dafür Zinsen zahlen müssen. Weil ich quasi ihren Kredit für sie abbezahlen soll. 60,- Euro pro Nacht, das entspricht 1800,- Euro im Monat. Zahlt jemand soviel Miete, der in einer normalen Wohnung lebt? Wohl in den wenigsten Fällen. Es gibt kaum einen fairen "Markt" für jemanden, der nur kurz eine Wohnung braucht und dann weiterzieht. Es gibt nur den Urlaubsmarkt. Ausgerichtet auf eine Gesellschaft, die hart arbeitenden Menschen für ihre wenigen freien Tage im Jahr relativ viel Geld abverlangen kann. Es ist ein vollkommen anderes System. Ein vollkommen anderes Denken. Und es sind vollkommen andere Voraussetzungen als bei mir. Aber ich lebe in dieser Welt. Ich muss einen Platz in diesem System finden. Eine kleine Insel. Es gibt sie, aber es ich Suche, es ist Beharrlichkeit und es ist viel Zeit dafür nötig, das zu finden, was mir entspricht. Jeden Tag auf's Neue. 

 

Und zu guter Letzt sind da noch die Menschen selbst, die es so schwer machen können. Mit Projektionen. Mit Eifersucht. Mit Urteilen. Mit Neid. Mit unerfüllbaren Wünschen. Mit Bedürfnissen, die über mir ausgeschüttet und in mich hinein interpretiert werden. Es sind so viele Bilder, die alle nichts mit mir zu tun haben, aber umso mehr mit ihrem eigenen Inneren. Ich kann nichts anderes tun, als euch diese Bilder zurückzuschicken. Sie gehören nicht mir. Ich bin nur ein Spiegel. Und ich kann mich nur um die Gefühle kümmern und sie lösen, die in mir selbst von euch berührt werden. So, wie der Schmerz und die Tränen von heute morgen. Alle anderen liegen in eurer Verantwortung. 

 

Mein Leben ist einfach nur anders. Es ist nicht besser, es ist nicht wertvoller, es ist nicht überlegen in irgendeiner Art. Es ist einfach nur anders. So, wie jeder auf seine Art anders lebt. Weil jeder von uns einmalig ist. Was ich mir wünsche, ist ein freier fließender Austausch zwischen all diesen verschiedenen Arten zu sein. Ich wünsche mir gegenseitige Wertschätzung und offene Arme. Ich wünsche mir die Bereitschaft zuzuhören und zu lauschen. Ich wünsche mir den unvoreingenommenen Raum zum Reden. Es ist soviel Weisheit in jedem von uns. Warum machen wir es uns so schwer, voneinander zu lernen? Warum legen wir uns so viele Steine in den Weg, wenn es um echte, tiefe Begegnungen geht? 

 

Heute ist Nikolaus. Als Kind habe ich mich so sehr auf diesen Morgen und den gefüllten Stiefel gefreut, der vor meinem Zimmer auf mich wartete. Diesmal schicke ich einfach nur diesen Wunsch hinaus in die Welt und an mich selbst. Denn das, was ich mir von dir wünsche, das werde ich dir genauso schenken. Bitte erinnere mich daran, wenn ich es nicht tue. So, wie ich dich daran erinnern werde.

 

 

 

 

 

 

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