Im Rhythmus des Mondes

 Der weibliche Kreis

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Jeder Mondzyklus bringt uns Frauen den ganzen Reichtum eines Jahres mit. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Jede Jahreszeit mit allen ihren Eigenschaften erleben wir in 28 oder 29 Tagen. Zwölf Mal im Jahr. Wir sind definitiv an keinem Tag dieses Mondzyklus die Gleichen. Was Menschen, die auf Gleichförmigkeit als Sicherheitsanker zählen, regelmäßig zur Verzweiflung bringt. Es bringt auch uns zur Verzweiflung. Weil sich dieser ständige Fluss, der ständige Wechsel unserer Wesensart nicht mit einer auf stetig steigende oder zumindest gleiche Leistung eingestellte Gesellschaft einpendeln lässt. Es gibt uns das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen. Aber ich glaube, es sich eher die menschliche Gesellschaft und ihr Lebensstil hinterfragen müsste, nicht wir.

Jungfrau-Zeit = Frühling, das erste Mondviertel

Aufwachen. Die Blutung ist vorbei. Das Alte losgelassen. Jetzt ist alles neu. Innen und Außen. Die Welt strahlt uns mit neuem Glanz entgegen, spiegelt uns unsere eigene Frische und Unbekümmertheit. Unsere Energie in diesen Tagen ist phänomenal. In kürzester Zeit erledigen wir Dinge, die sonst Ewigkeiten dauern. Wenn es um Proudktivität geht, kann uns jetzt niemand das Wasser reichen. Es ist die perfekte Zeit für die Umsetzung von Projekten, den Projekten, die im Herbst und Winter gebrütet haben und jetzt voll Schwung ans Licht spriessen. Wir sind wie die Bäume im Frühlingstaumel. Unbändige Kraft, Begeisterung und Lebensfreude umgeben uns wie eine zweite Haut. 

Vollreife = Sommer, das zweite Mondviertel

Diese Phase in unserem Zyklus wird auch Mutter-Zeit genannt. Weil wir jetzt fruchtbar werden und sind. Und damit, perfekt vorbereitet für ein neues Leben in uns. Es ist die Zeit, in der unsere Lust erwacht. Wie ein Wirbelsturm ist sie da. Sexualität, Verbindung, Verschmelzung. Jede Zelle in uns möchte jetzt die Feier der Vereinigung erleben. Unsere Energie ist immer noch voller Stärke. Aber ihre Dynamik verändert sich.

 

Sie drängt nicht mehr einfach nach vorn, sondern strahlt in jede Ecke unseres Lebens und auf jeden Menschen, der uns begegnet. Wie eine Lampe, die einen 360 Grad-Winkel bekommen hat. Liebe, Harmonie, Selbstvertrauen, Ganzheitlichkeit - alles in uns ist rund. Und wir wirken nach Außen, wie auch im Frühling. Wir sind jetzt ganz auf Unterstützung von Anderen (Menschen, Projekten) eingestimmt. Wir verteilen Hilfe und verschenken unsere Kraft und Ermunterung. Im Jahreskalender ist diese Phase die Zeit zwischen Beltane und Llamas. Hoch-Zeit des Zykluskreises.

Zauberin-Zeit = Herbst, das dritte Mondviertel

Der Übergang von der dynamischen Phase zur Ruhe ist so eine Sache. Wir kennen das im Jahreskreis aus unserer Mühe mit dem Abschied vom Sommer. Das langsame Einigeln kann schwer fallen. Vor allem, wenn von Außen andere Forderungen kommen. Die, nach Beständigkeit, zum Beispiel. Aber in unserem Rhythmus ist jetzt Erntezeit. Wir sind beim Rückblick auf die aktiven Tage, auf die Projekte und beim Feiern ihres Erfolgs.

 

Unsere Energie geht langsam, aber stetig von Außen nach Innen. Der rege Gang menschlichen Getriebes interessiert uns zunehmend weniger. Dafür wird unser eigenes Innenleben mit jedem verrinnenden Tag interessanter. Wir ziehen uns zurück. Und wenn uns das nicht möglich ist, dann kommt Ruhelosigkeit auf. Wut, Frustration, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle. Unsere Energie möchte gelebt werden, nicht versteckt und nicht verdreht. Jeder künstliche Hebel bringt uns komplett aus dem Rhythmus und trennt uns von uns selbst.

 

Dabei ist diese Phase die kreativste von allen. Die Schleier zwischen den Welten verändern sich für unsere Augen, die Sinne erwachen, mediale Fähigkeiten blühen auf, unsere Träume haben Hoch-Zeit und erzählen uns viel von uns selbst. Und vor allem, werden wir uns unseres innersten Wesens bewußt. Wir können auf den Weg schauen, den wir gegangen sind und beginnen auszusortieren, was uns weiter begleiten soll und was nicht. Nur so, wird der Raum frei, der uns den neuen Frühling schenken kann. 

Inneneinkehr = Winter, das letzte Mondviertel

Die Blutung beginnt. Und mit ihr eine Öffnung, die uns hochempfänglich macht für alle äußeren Einflüsse. Was immer jetzt im Übermaß auf uns einstürmt, macht uns krank. Buchstäblich. Wenn wir uns jetzt nicht die Stille und Ruhe gönnen, weit ab vom getriebigen Alltag, dann zahlen wir mit Schmerzen. Diese scheinbar so unentrinnbaren Menstruationskrämpfe sind meiner Erfahrung nach nichts anderes als eine direkte Antwort des Körpers auf Streß, der von Außen aufgefangen wurde und sofort verarbeitet wird.

 

Der beste Ort wäre jetzt das Bett. Viel, viel Wärme braucht es auch, weil unser Körper mit der Öffnung auch alle Energie nach draußen gibt und umso mehr braucht, um auf einem wohligen Niveau zu bleiben. Meine dickste Wolldecke hat jetzt ihre Glanz-Zeit. Und die heiße Milch mit Honig. Am liebsten noch ein warmes Feuer dazu. Das wäre himmlisch. Warme Bäder sind auch eine Wohltat. Es ist eine Zeit, in der wir Hochleistungen vollbringen, auch wenn uns rein äußerlich nichts davon anzumerken ist. Unser Körper spielt jeden Mondzyklus auf's Neue die Schwangerschaft und Geburt durch. Eine Generalprobe nach der Anderen. Die Blutung folgt dem gleichen Rhythmus und der gleichen Choreographie wir die Geburt. Unser Körper öffnet sich. Es lässt sich richtig spüren, wenn wir uns die Zeit nehmen. Alles wird weit und noch weiter. Das ist pures Loslassen. 

 

Energetisch lassen wir alles Alte gehen. Es ist das Sterben, um Platz zu machen für das Neue. Und es gibt keine Phase, in der wir unsere Sexualität tiefer erleben. Jede Vereinigung, die jetzt geschieht, hat eine so innige Qualität, dass die Männer sich bis heute davor scheuen. In fast jeder Kultur dieser Erde. Wir haben jetzt eine innere Kraft und Ausstrahlung, die uns fast magisch erscheinen lässt. Unsere Offenheit lässt uns nämlich auch die roten Fäden des Lebens verstehen. Wir können hinter alle Vorhänge schauen. Verbindungen erblicken und andere Welten fühlen. Die Türen des Lebens stehen weit offen - im Einklang mit unserer eigenen Offenheit. Und auch das ist eine Kraft, die in den meisten Kulturen der Welt zu unserem Ausschluß geführt hat - zumindestens einmal in diesen Tagen. 

 

Doch - wer die Welt verstehen möchte, der sollte vielleicht uns fragen, in der Weisheit und Weitsicht, die uns in diesen Tagen beseelt. Und, wer wirklich mit einer Frau verschmelzen möchte. Eins-Werden, der findet keinen besseren Moment, als die Zeit der Blutung. Es gibt aber auch keinen Moment, in denen Frauen verletzlicher wären als jetzt. Denn nun gibt es gar keine Schutzmauer mehr zwischen uns und dem Anderen. Alles ist offen. Deshalb ist es so wichtig, für uns zu sorgen, in diesen wunderbaren ruhigen, stillen und intensiven Tagen.

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