Ein Abschied mehr

Der Wandel greift um sich

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Es gibt niemanden, dem ich mich tiefer verbunden gefühlt habe. Es gibt niemanden, der mir näher stand. Es gibt keinen anderen Menschen, mit dem sich meine Seele Eins und Untrennbar gefühlt hat. Es gibt niemanden, den ich inniger, aufrichtiger, offener und ehrlicher geliebt habe. 

 

Unverstellt. Ohne Mauer. Nackt. 

 

Ich habe zugesehen, wie er sich weiter und weiter entfernt hat. Ich habe erlebt, wie ich jedes Jahr, jede Begegnung und jede neue Beziehung weiter an den Rand seines Lebens gestellt wurde. Ich habe jede Verletzung vollkommen zugelassen, nichts abgewehrt, alles genau angeschaut. In mir war eine Stimme, die mich geführt hat. Über jeden Zweifel, über jede Unsicherheit hinweg. Ich habe tausendmal alles beenden wollen. Ich habe ihm tausendmal den Rücken kehren wollen. Ihn tausendmal verflucht und gehasst. Ich bin hin- und hergereist zwischen den Extremen, wissend, das es wichtig ist für mich. Auf einer Ebene, die ich nur langsam klarer erfassen konnte.

 

In all diesen Jahren ist Stück für Stück eine alte Wunde in mir geheilt. Mit jedem Schritt ist meine Fähigkeit zu lieben gewachsen, und gewachsen und gewachsen. Sie hat sich herausgeschält aus der Notwendigkeit, erwidert zu werden. Sie hat sich befreit von dem Muß des liebenden Gegenübers. Sie ist frei geworden, unabhängig und unendlich stark.

 

Und ein altes Schuldgefühl hat sich gelöst und verabschiedet. Das Gefühl des "Wieder-gut-machen-müssens" ist gegangen. Es gibt nichts mehr zu tun für mich. Ich habe alles getan. Keine Verantwortung, keine Schuld, kein roter Posten auf dem Lebenskonto. Nichts mehr. Es war eine so tiefe Verletzung. Neun Jahre intensiver Arbeit. Bewußter Arbeit damit. Hallelujah... Ja, hallelujah. 

 

Das ist nicht alles, noch lange nicht alles. Der wichtigste Punkt für mich ist meine neue Fähigkeit zu trennen, zu unterscheiden. Zu wissen, wann ich mit der Seele eines Wesens im Kontakt bin und wann mit seinem Alltags-Ich. Dem Ich, das in dieser Welt der Dualität hin- und herschwimmt, mit dem Wind fliegt und das auf der Suche bleibt. Der Suche nach sich selbst. 

 

Auf der Seelen-Ebene liebe ich. Mit aller Innigkeit, die es gibt. Das Alltags-Ich kann ich umarmen. Ich kann sehen, das es der richtige Weg für den Menschen vor mir ist. Aber ich muss nicht mehr in diese Welt eintauchen. Ich muss nicht mehr Teil von ihr werden. Ich muss mich nicht in die Dramen und fremden Glaubenssätze verstricken, um zu lieben. Nichts davon ist nötig. Ich kann Abstand nehmen. Ich kann einen anderen Weg gegen und trotzdem in Verbindung bleiben. 

 

So, wie es jetzt geschieht. Er hat den ersten Schritt getan. Mit Worten, die mich auf unendlich vielen Ebenen und auf tausend Arten hätten verletzen können und müssen. Da waren so viele Urteile, so viele Bemerkungen, so viele Seitenhiebe. Keines davon war ihm wirklich bewußt - unglaublicherweise. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ich hätte auch nicht für möglich gehalten, wie wenig er mich kannte oder von mir wahrgenommen hat. Ich hätte nicht geglaubt, wie hoch er seine Mauer wirklich gebaut hat. Dagegen sind die Israelis Waisenkinder. Ehrlich.... 

 

Ich habe den zweiten Schritt getan. Aus der Unverbindlichkeit ist Abschied geworden. Weil ich so nicht weitermachen werde und will. Ich bin herausgewachsen aus einem Szenario, das mich aus einem echten Kontakt fernhält und in dem ich reine Projektionsfläche bin. Ich habe mich daraus gelöst - bei ihm und bei jedem Anderen. Es sind viele Freundschaften, die sich jetzt verändern. Bei denen ich gehe. Die sich beenden. Egal, von welcher Hand. Es fühlt sich gut an, heilsam. 

 

Und bei all dem habe ich mich niemals selbst klarer gefühlt und mein großes Herz. Ich habe meine Liebe niemals tiefer pulsieren fühlen. Sie lebt in mir. Sie leuchtet. Sie strahlt. Nichts kann sie aufhalten. Nichts kann sie stoppen. Baut Mauern, es spielt keine Rolle. Ich bin zu diesem Licht geworden, das einfach da ist. Egal, was um mich herum geschieht. Ich gehe niemals wieder aus. 

 

Hätte es einen anderen Weg gegeben, mich zu heilen? Hätte es einen schmerzfreieren Weg gegeben? Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl, es war alles richtig, so, wie es war. Weil ich nur so die werden konnte, die ich immer sein wollte und die ich jetzt bin. Ich bin so sehr gewachsen. Ich bin so klar in mein Selbstvertrauen und meine eigene Meisterschaft hineingewachsen, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Vielleicht braucht es die Dunkelheit, um das eigene Licht wirklich zu verstehen und zu leben. Wahrscheinlich ist es so. Jedenfalls in dieser Welt.

 

Ich danke dir, Anam Cara. Ich danke dir für jeden Moment. Jeden. Wirklich jeden. Jeden Schwerthieb, jeden Dolchstich und jeden atemlosen Augenblick der Vollkommenheit. Ich danke dir auch für gestern. Für dieses Gespräch. Für deine Tränen und deinen letzten Blick. 

 

Du bist in meinem Herzen. So, wie ich in deinem. Unsere Seelen, die können nicht getrennt werden. Was auch immer wir auf dieser Erde tun. Wie auch immer wir miteinander umgehen. Es spielt am Ende keine Rolle.

 

Werden wir uns in diesem Leben wiedersehen? Ich habe eine Ahnung. Ich habe ein Bild. Und ich vertraue mir auch in diesem Fall. Auch das habe ich gelernt. Ich vertraue mir. 

 

 

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