Freiheit!

Das Gefängnis war immer offen

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Ich war immer richtig. Immer. In meinem ganzen Leben. 

 

Richtig mit diesem Impuls, etwas zu beenden, wenn es für mich beendet war. Zu gehen, wenn es an der Zeit war, zu gehen. Richtig mit dem Lauschen auf mein eigenes Inneres. Mehr als auf irgendetwas oder irgendjemanden dort draußen.

Ich lag richtig mit dem Beenden meines Musikstudiums nach knapp zwei Semestern. Mit dem Beenden der Heilpraktikerausbildung vor der Prüfung. Mit dem Beenden einer Drei-Jahres-Tantra-Lehrer-Ausbildung in Jahr zwei. Genauso wie auch jetzt. Ich beende die Yoga-Lehrer-Ausbildung hier im Yoga Vidya, vier Tage vor dem offiziellem Schluss, drei Tage vor der Prüfung. 

 

Ich beende das, was für mich abgeschlossen ist. Ich beende diese Erfahrung, weil sie für mich vollständig ist. Es gibt nichts mehr zu tun. Es gibt nichts mehr zu sein. Nur noch - zu gehen. Ruhig. Bewußt. Im Frieden mit mir selbst. Und diesmal - zum ersten Mal überhaupt - auch frei von allem, was mir jemals zu diesem Thema vermittelt worden ist. Was für ein grandioses Gefühl!

 

Wenn ich bisher gegangen bin, geschah es mit einem schlechten Gewissen. Vielleicht nur ganz leicht und sacht, aber definitiv vorhanden. Es geschah in dem Gefühl, etwas nicht abgeschlossen zu haben. Etwas abzubrechen, was eigentlich noch hätte weitergehen sollen. Und in der Tiefe arbeiteten die Glaubenssätze, die mir meine Umgebung zum Thema Abbruch mitgegeben hat. Subtil. Offen. Massiv oder ganz fein.

 

"Du machst ja nie etwas zu Ende." "Du hast nicht genug Willenskraft." "Du bist nicht stark genug." "Du drückst dich vor bestimmten Erfahrungen oder Konsequenzen." "Du nimmst dir selbst eine soooo große Chance." "Du verbaust dir deine Zukunft." "Du kannst nicht durchhalten." "Du weichst eh immer nur aus." "Wird dein Buch denn je fertig?"

 

Die Sätze lebten in meinem Inneren und bestimmten mein Urteil über mich selbst. Sie sind diejenigen, die das eigentliche Gefängnis geformt haben, in dem ich mein Leben lang unterwegs war. 

 

Um diesen gordischen Knoten zu lösen, hat sich meine Seele das Yoga Vidya ausgesucht. Ich bin mit dieser Vier-Wochen-Intensivausbildung mitten in ein System gegangen, aus dem jeder Ausgang versperrt war. Jeder. Auf allen Ebenen. Es war nicht möglich, meine eigenen Werte hochzuhalten. Es war nicht möglich, ich selbst zu bleiben. Dieser Abschluss lässt sich nur machen, wenn ich mich verrate. Er lässt sich nur machen, wenn ich mich anpasse, an etwas, das mir nicht entpricht.

 

Es gibt nur einen Weg für mich. Ich beende diese Ausbildung. Schon nach zwei Wochen war ich an diesem Punkt. Aber es gab innerlich noch mehr aufzuräumen. Diese letzten 10 Tage waren hochintensiv. Eine Reise in mein Leben. In jede Situation, der ich mich ausgeliefert gefühlt habe und in der ich vor derselben Wahl stand, wie heute morgen. "Schwimme ich mit, um einen Abschluß zu machen und ein Zertifikat in der Hand zu halten?" Oder - "Beende ich diese Erfahrung jetzt und hier, weil genau das meine Prüfung und mein bestandenes Lebensexamen darstellt?"

 

Heute. Endlich. Nach so vielen Jahren. Nach so vielen Kämpfen. Nach so viel Zerrissenheit und Zweifel. Nach soviel Selbstzerfleischung und Schmerz. Heute, kann ich einfach etwas beenden. Ich kann gehen. Weil es für mich an der Zeit ist. Weil es nur einen Kompass für mein Leben gibt. Den in mir. Niemand, keine Eltern, kein Lehrer, kein Freund, kein Geliebter, kein Guru, kein Vorgesetzter, kein Staatsoberhaupt kann mir vorschreiben, wie ich mein Leben ausrichten muss. Niemand steht in meinen Schuhen. Niemand hat Macht über mich, es sei denn, ich gebe sie ihnen in die Hände. Indem ich mir selbst Druck mache. Indem ich glaube, einer bestimmten Form entsprechen zu müssen, die jemand Anders erdacht hat. Indem ich ihren Gedanken und Urteilen folge und sie zu meinen eigenen machen. Ich habe die Wahl. Ich hatte immer die Wahl. 

 

Und mein Gefühl war immer da. Als Kind konnte ich nichts machen. Da hing mein Überleben von der Anpassung ab. Ich kann mich sehen, als dieses reine Wesen mit dem leuchtenden Stern auf der Stirn. Unschuldig. Vertrauensvoll. Ganz. Ich kann die Verzerrungen sehen, die dann geschehen sind. Ich konnte vorhin die Stimmen hören, die an diesem Ganzen herummodelliert haben. Ich konnte sie auf der ganzen Welt hören, weil sie ständig, überall geschehen. 

 

Es gibt nichts zu modellieren an uns. Wir sind schon ganz. Wir sind schon vollkommen. 

 

Ich kann mich wieder fühlen. Ich kann genau diese Vollkommenheit in mir wieder spüren. Alle Urteile gehen an ihre Geber zurück. Jedes einzelne. Nicht umsonst hat heute auch meine Mondblutung begonnen. Die Reinigung der letzten Tage geht zu ihrem Höhepunkt. Alles darf diesen Körper verlassen. Alles, was nicht zu mir gehört und was mich schleichend vergiftet hat.

 

Danke für diese Erfahrung. Danke an alle, die beteiligt waren. Hier, überall, zu allen Zeiten. Es ist schlichtweg grandios.

 

Was für eine Reise. Was für ein Leben. Ich bin so glücklich.....

 

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