Wer braucht Wolkenkratzer?

Was der äußere Schein verrät

                 © Carl-Ernst Stahnke / pixelio.de            © Marco Kröner / pixelio.de              © TiM Caspary / pixelio.de

Wer braucht Millionen von Anhängern? Wer braucht einen Raum voller Menschen, die ihm zujubeln? Wer braucht die Gewissheit, das dort draußen Tausende den eigenen Worten lauschen? Wer braucht einen Tresor voller Gold? Wer braucht eine Firma voller kuschender Angestellter? Wer braucht ein Gesetzeswerk voller Regeln, denen alle folgen müssen? Wer braucht einen diktatorisch organisierten Staat? Wer braucht das Gefühl, das höchste Hochhaus der Welt gebaut zu haben? Und wer braucht einen Präsidentenjob?

 

Wer braucht das alles? Den äußeren Schein? Die äußere Gewissheit? Die äußere Sicherheit? 

 

Jeder. Jeder, der sich selbst nicht sicher ist. Jeder, der im Inneren an sich selbst zweifelt. Jeder, der an der Welt zweifelt. Am Sinn des Seins und des Lebens. Jeder, der sich eigentlich klein und hilflos fühlt. Jeder, der alles dafür tun würde, dieses Gefühl in sich selbst abzutöten. Wegzusperren. Hinter allen Gittern dieser Erde zu verstecken und niemals, niemals, niemals anschauen zu müssen. 

 

Wann immer ich irgendetwas dringend brauche, ist es nur ein Mittel, um mich selbst vor etwas in mir zu schützen. Einer Erkenntnis. Einem Schmerz. Einer Erinnerung. 

 

Ein Mann, der die Frauen wechselt, wie Handtücher, braucht ihre Ergebenheit und "Liebe", um sich selbst als "toller Hecht" zu bestätigen. Warum? Weil er sich selbst eigentlich als ein kleines Licht versteht und alles dafür tun würde, das auf gar keinen Fall sichtbar zu machen. Ein Seminarleiter, der volle Säle braucht, ist abhängig vom Beifall der Menschen zu seinen Füßen. Abhängig von ihrer Energie, ihrer Unterstützung und ihrem Glauben an ihn. Warum? Weil er sich seiner selbst zutiefst unsicher ist. 

 

Eine Gesellschaft, die Millionenstädte für den Gipfel der Zivilisation hält, versucht mit den Hochhäusern nur zu übertünchen, wie innerlich leer sie sich eigentlich fühlt. Niemand, der noch alle Sinne beieinander hat, würde freiwillig in einer Umgebung leben wollen, die voller Lärm, giftiger Luft und permantem Streß steckt. Das tun nur wir. Weil der Schmerz, uns einzugestehen, wie verloren wir uns eigentlich fühlen, zu groß erscheint, um ihn tragen zu können. Weil es leichter zu sein scheint, den tagtäglichen Wahnsinn mitzumachen und den Göttern des Größenwahns zu huldigen. Sie lassen uns das eigentliche Dilemma vergessen. 

 

Noch scheint es leichter. Gerade noch. 

 

Doch die Extreme werden extremer. Der Wettlauf wird schneller. Der Zwang, noch höher, noch größer, noch weiter zu rasen wird jeden Augenblick stärker. Es braucht immer mehr, in immer kürzerer Zeit, um unser inneres Loch zu übertünchen. Es braucht immer stärkere Impulse, um die feine innere Stimme in Zaum zu halten. Der Moment wird kommen, in dem unsere Kräfte nicht mehr reichen, dieses äußere Rad am Drehen zu halten. Der Augenblick, in dem die Scheinwelt zusammenbricht und uns nichts anderes mehr übrig bleibt, als ihr ins Gesicht zu blicken. Ihr und uns selbst.

 

Noch ist die Angst, die uns zum weglaufen antreibt größer, als der Mut stehenzubleiben. Noch können wir schneller laufen, als die Tsunami-Welle hinter uns rollt. Wir hecheln uns zwar schon die Seele aus dem Leib, aber es gelingt uns noch, Schritt zu halten. Doch das wird nicht so weitergehen. Nirgendwo.

 

Alles in dieser Welt bewegt sich im Augenblick auf diesen Moment zu. Auf den Moment, in dem wir anhalten, stehenbleiben, uns umdrehen und uns selbst ins Gesicht schauen. Der Moment, in dem wir nicht mehr flüchten. Der Moment, in dem wir aufgeben. Loslassen. Und schauen, was dann geschieht.

 

Das ist der Moment, in dem wir beginnen dort zu heilen, wo wir wirklich verletzt sind. Ein Ende der  bloßen Ursachenbekämpfung. Eine Ende des Kämpfens. Ein Ende des Wettlaufes miteinander. 

 

Der Beginn einer anderen Welt. Der Welt unserer Träume. Weil es in ihr nur einen Maßstab gibt. Das Wohlergehen aller Wesen. Nicht die zu übertünchende Psychose Einzelner.

 

Diese Welt wartet nicht dort draußen. Es wird keinen Guru geben, der sie uns auf dem Silbertablett überreicht. Kein Lehrer kann uns hintragen. Kein Präsident kann sie erschaffen, keine Regierung verordnen, kein Gesetzteswerk bestimmen, kein Diktator erzwingen. Diese Welt kommt aus uns. Nur aus uns. Aus unserem tiefsten Inneren. Dort, wo es keine Angst gibt. Dort, wo der Glaube zu Hause ist und das Wissen, um unser wirkliches Wesen. Dort, wo die Sicherheit über unser Sein lebt. Dort ist der Samen. Dort ist der Boden. Dort sind die Wurzeln. 

 

Was braucht es denn wirklich? Deinen Mut. Den Mut, endlich stehenzubleiben. Auszusteigen aus dem wahnsinnigen Hetzen ins Nirgendwo. Ein Ende des Mitlaufens. Ein Ende des Mitmachens. Ein Ende des Unterstützens. Diktatur funktioniert nur mit Menschen, die sie zulassen. Größenwahn Einzelner funktioniert nur mit Millionen, die mitmarschieren. Es braucht Menschen, die offen oder leise zustimmen, damit diese Welt so selbstmörderisch weitergehen kann, wie sie es im Augenblick tut. 

 

Es braucht uns alle, damit wir weiter in den Abgrund taumeln können. Wollen wir das? Willst du das? Ist das die Welt, die du dir wünschst? Oder ist es ein Alptraum, aus dem du erwachen möchtest? 

 

Dann hab' den Mut. Halt an. Halt bitte endlich an!

 

 

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Marco Schlüter / pixelio.de
Foto: Peter / pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Herbert Raschke / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Foto: Susanne Richter / pixelio.de
Foto: roja48 / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Foto: Peter A / pixelio.de
Foto: Carolin Daum / pixelio.de
Foto: Thomas Wiesendahl / pixelio.de
Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
Foto: H.D. Volz - pixelio.de
Foto: hum / pixelio.de
Foto: Maren Beßler - pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Foto: Alexander Altmann / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de