Grenzland - Feindesland - Angst

Die Psychosen eines Inselvolkes

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Diese Insel war immer im Brennpunkt der Religionen. Sie stand immer im Mittelpunkt von gierigen Eigeninteressen fremder Völker. Die List der Selbstverwaltung ist kurz. Extrem kurz. Hier gaben sich Griechen, Perser, Römer, Byzanthiner, Franken, Kreuzritter, Genuesen, Venizianer, Osmanen, Briten und Türken die Klinke in die Hand. 

 

Jeder hatte seinen eigenen Vorstellungen, was mit diesem Flecken Erde zu geschehen habe. Und jeder dachte bei allen salbungsvollen Reden immer nur an sich selbst. So, wie ich die Menschen hier erlebe, haben sie es bis heute nicht geschafft, sich von den fremden Einflüssen zu lösen. Südzypern ist immer noch im Herzen griechisch und träumt dem byzanthinischen Frühling in Form einer Enosis mit Griechenland entgegen, hat sich niemals wirklich aus der engen Verstrickung von orthodoxer Kirche und Staat gelöst und sieht bis heute die türkischen Zyprioten als Nebenschauplatz der Geschichte an.

 

Zusätzlich regiert beim griechischen Süden die Angst vor der Türkeit. Die Vorurteile und vernichtenden Meinungen, die ich im Süden über die Menschen im Norden zu hören bekommen habe, waren mehr als nur schockierend. "Der Norden will nur unser Geld (das nebenbei bemerkt zu großen Teilen von der EU kommt), im Norden sind alle kriminell. Ich will das die Grenze bleibt."

 

Viele die so tönen, haben in all den Jahre nicht einmal einen Fuß in den Norden gesetzt. Vordergründig wäre der Schmerz über den Verlust des Vergangenen zu groß. Hintergründig wirkt aber für mich etwas anderes. Vorurteile, die weit zu rückreichen. Zurück bis in die Zeit der Auseinandersetzung zwischen Byzanz und Osmanischem Reich. Hier geht es um den Kampf von Religonen. Halbmond gegen Kreuz. Die Griechen verstehen sich bis heute als Verteidiger des Letzteren, als Nachfolger von Byzanz. Bis heute ist für sie Istanbul Konstantinopel und die eigentliche Hauptstadt ihres Reiches. Keine guten Voraussetzungen für die Akzeptanz eines anderen Landes.

 

Nordzypern versinkt unter einer türkischen Invasion, die Stück für Stück jeden Winkel der einstigen Eigenständigkeit dieser Kultur unter einem antatolischen Einwandererzustrom versinken lässt. Die türkischen Zyprioten wollen die Vereinigung, haben aber Angst von den Griechen vereinnahmt zu werden und verlassen sich lieber auf die Schutzmacht Türkei, die sie umso mehr vereinnahmt. Sie sitzen zwischen zwei Stühlen, sehen ihre Identität wie Sand in der Wüste zerrieseln und können den echten und einzig möglichen Schritt auf den Süden zu nicht gehen. 

 

Die Lösung liegt nur im Inneren dieser Insel. Sie liegt nur im echten, ehrlichen Miteinander. Im Heilen der eigenen Wunden, geschlangen in langen Bürgerkriegen, endlosen Terroranschlägen, Verfolgungen, Enklavenzeiten und Blutbädern. Sie liegt im Heilen der Vergangenheit und zwar ohne fremde Einmischungen. Griechenland und die Türkeit - beide sind nicht uneigennützig, was immer sie auch verkünden mögen. Solange sie im Hintergrund werkeln, kann es auf Zypern keinen echten Frieden geben. Zypern könnte ein Beispiel werden, wie sich Orient und Okzident aufeinander zubewegen und sich endlich einmal wirklich die Hände reichen. Im Moment erscheinen sie mir so weit voneinander entfernt, wie es nur möglich ist. Von Ausnahmen abgesehen. Denn auch hier gibt es auf beiden Seiten die Menschen die gemeinsam weitergehen wollen. Doch sie sind die Minderheit. Sie waren es immer.

 

Doch sie verkörpern in meinen Augen die einzige Zukunft, die wirklich blühen wird. Alles andere sind Kopien fremder Träume, Abglanz erloschener Reiche und Phantasien der Vergangenheit, die niemals wiederkehrt. Es ist Zeit aufzuwachen. Es ist Zeit, die eigenen Fehler einzugestehen, sich selbst und dem anderen wirklich ins Gesicht zu schauen und sich dann die Hände zu reichen. Alles andere führt zu einer geteilten Insel. Mit der Türkeit auf der einen und Griechenland auf der anderen Seite. Adé Zypern....

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