Eintauchen in eine islamische Welt

Leben auf der gespaltenen Insel

                 © Alexander Dreher / pixelio.de                                   © Fotos: Katharina Wieland Müller / pixelio.de 

Zypern. Zypern. Zypern. Seine Geschichte, seine Kultur, seine Menschen bestimmen diesen Monat. Ich bin vom gut sortierten Deutschland mitten ins Chaos von Nordzypern gereist, um vier Wochen zu bleiben. Es ist eine andere Welt, eine völlig andere Welt. Und es dauert viele Tage, um hier wirklich anzukommen und die Bilder zu ordnen, die auf meine Sinne einstürmen. 

 

Der Verkehr, der scheinbar ohne echte Regeln dahinfließt und eine perfekte Verkörperung der Ellenbogengesellschaft darstellt, bei der jeder zuerst kommen will, drängelt, was das Zeug hält und parkt, wo es ihm gerade gefällt.... Die Menschen, die hier in Girne in Casinos und Alkkoholläden strömen - glücklich, endlich den scharfen Mauern und Gesetzen ihrer Religion und der Türkei enfleucht zu sein....

Die Kopftücher der anatolischen Frauen... Die riesigen niegelnagelneuen Moscheen, die zwischen alten Ruinen und ultramodernen Hochhäusern so fehl am Platz wirken in diesem Land... Die unzähligen Ferienhaussiedlungen in ihren gleichförmigen Reihen und austauschbaren Inhalten, die die sich Ströme von Engländern, Russen und Skandinaviern ergiessen.... Sonnenhungrig und auf der Suche nach ihrem Paradies.... Die zugebauten Strände samt Hotelruinen..... Und - der allgegenwärtige Müll, weil die Menschen achtlos alles in die Landschaft werfen, was sie in den Händen halten.....

 

Achtlosigkeit. Ja, das ist es, was mich begleitet. Achtlosigkeit, wenn die Gäste im Hotel mal wieder um Mitternacht aus dem Casino kommen, angeduselt vom ungewohnten Alkohol und lautstark durch die Flure in ihre Zimmer poltern, die ohne Lärmschutz jeden Huster von nebenan übertragen, als wäre er in meinem Bett. Achtlosigkeit, wenn jeder Picknickplatz einer Müllhalde ähnelt. Doch es gibt noch etwas, das schlimmer wiegt für mich. Ein unterschwelliges "nicht achten" einer anderen Kultur und Religion - in diesem Fall und im Norden dieser Insel - das Christentum. Die verfallenen Kirchen sprechen eine beredete Sprache. Bis auf die, aus denen man durch Touristen aus dem Süden Geld verdienen kann, sind sie verrammelt und verfallen. Ruine über Ruine. Teilweise sammelt sich auch hier wieder der Müll, wie absichtlich hingeworfen. Am schockierendsten ist vielleicht der Friedhof neben einer kleinen griechischen Kirche, auf dem die Gräber aufgebrochen, die Grabsteine zerstört und alles Unterste zu Oberst gekehrt worden ist. Welcher Hass ist dafür nötig, um Gräber zu schänden?

 

Die Geschichte Zyperns begleitet mich durch diese Tage. Auch wenn ich Gruppen leite, die botanische Schätze sucht und findet. Orchideen, Ragwurze, Frühlingsblütenmeere. Für mich ist sie überall präsent. Ich sehe die unglaubliche Schönheit der Natur, ihre Vielfalt, ihre Farbenpracht. Ich treffe die herzlichsten Menschen der Welt. Offene Arme, offenes Lächeln. Mir begegnen diejenigen, die auf eine gemeinsam Zukunft zwischen Nord und Süd hoffen und diejenigen, die die Mauern noch viel höher bauen wollen. Es ist ein zerissenes Land mit so vielen Gesichtern wie Seelen. 

 

Am deutlichsten fühlbar ist der Schmerz. Niemals wirklich aufgearbeitet. Der Schmerz aus den Bürgerkriegen. Der Schmerz aus dem Kampf der Nachbarn gegeneinander. Der Schmerz, der sich in den Kirchenwänden konserviert hat und in den alten Ruinen zu mir spricht. Ich spüre das Blut und die Schreie. Ich sehe die Zukunft entschwinden mit jedem neuen türkischen Soldat, mit jedem griechischen Enosis-Traum. Die Welten driften auseinander. Welten, die sich bereichern könnten in ihrer wunderbaren Verschiedenheit. Welten, die es nicht können, wenn sie auf ihrer Wahrheit beharren und Angst vor jedem Anderssein haben. 

 

Bei allen widerstreitenden Gefühlen - ich habe Freunde hier gefunden. Ich nehme das Lächeln der Menschen mit. Und die Neugierde, tiefer und weiter in den Orient hineinzutauchen, von dem ich hier nur ein kleines Stück erlebt habe. Die türkische Sprache fasziniert mich genauso wie die griechische und gestern Abend habe ich auf dem Dach des Hotels gestanden, den Sternhimmel betrachtet, dem Ruf des Muezzin's gelauscht und fand es zum ersten Mal stimmig. In mir wächst das Miteinander, das diese Insel repräsentieren könnte und von dem sie so weit entfernt ist. Orient und Okzident - Hand in Hand.

 

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