Vertraut? Nein, Fremde!

Die andere neue Welt

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Eigentlich dachte ich bisher, ich verstehe die US-Amerikaner. Weil sie doch so ganz ähnlich sind. Unterschiede kaum spürbar. Ständig präsent, immer da. Ob in Hollywood-Filmen oder Wirtschaftswunderwerten. Erst vor wenigen Jahren ist mir klar geworden, wie omnipräsent dieses Land in unserem Denken und in den Wahrnehmungen, im Werten und Verstehen der Welt wirklich ist. 

 

Ab diesem Augenblick habe ich mich entfernt. Von der Sprache bin ich schon ein Stück vorher abgerückt. Es ist mir unerträglich geworden, dieses breite, Kaugummigeknatschte Englisch, bei dem mich die grenzenloses Lässigkeit und das "uns gehört die Welt" schon von Weitem anspringt, wie ein Tiger. Natürlich bin ich seitdem auch ständig Amerikanern begegnet, die alle meine Vorurteile über sich selbst tausendprozentig bestätigt haben. Rücksichtslos, selbstzentriert, Master of the Universe. Ohne bei der eigenen Nabelumkreisung überhaupt zu merken, wie sie alle Anderen an die Wand drängen.

 

Es scheint schon Millionen Jahre her zu sein, das ich dieses Land geliebt habe. Seine Landschaften durchwandert, seine Städte bewundert. Seitdem ist aus dem staunenden ersten Blick ein tieferes Verstehen geworden und eine Klarheit über die Fremdheit dieser neuen Welt auf der anderen Seite des Atlantiks. Ich habe mir die Abgründe angeschaut, die heiße Luft und die Angst dahinter. Ich weiß um die Kämpfe und die Geschichte. Vieles davon stößt mich ab, wie ein umgedrehter Magnet. Es bricht mir das Herz, die Entwicklung zwischen First Nations und Siedlern nachzuvollziehen. Es lässt mich frösteln, wenn ich dieses Trennende, Abgrenzende und Zurück in die Vergangenheit-Gerede eines Präsidenten höre, der einen großen Teil des Landes noch immer hinter weiß. Egal, was er tut.

 

Das Land, das einmal gegen die Nazis zu Felde zog, entpuppt sich an vielen Stellen als gelehriger Propagandaschüler dieser alten, braunen Reihen. Dieses endlose Gerede von Feinden - ich kann es nicht mehr hören. Und ich mag auch diese Filme nicht mehr sehen, in denen ständig der gute amerikanische Held in welcher Variante auch immer die Welt vor sich selbst rettet. Das Image hat sich für mich hoffnungslos ausgeleiert.

 

Ich kann auch nichts Tolles mehr am Industrie, Wirtschaft, Politik oder sonst irgendwelchen Feldern sehen. Selbst die Spiritualität, die mir einen meiner Meilensteine im Leben beschert hat und zwar in Person eines US-amerikanischen Schriftstellers und seiner genialen Bücher, selbst die ist zum Verkaufsschlager verkommen und beziffert sich nur noch in Erfolgsquoten. Als würden die wirklich weltverändernd sein. Als wäre Erfolg in Umsatzzahlen und Gewinnmargen messbar. Für mich sind die USA zu einem sehr armen Land mutiert. Arm an Seele. Arm an Herz. Und damit weit abgeschlagen hinter all den Nationen, denen sie glauben voran zu gehen. 

 

Ist von den USA, die ich einmal liebte noch etwas übrig? Ja. Aber anders als früher. Ganz anders. Ohne rosarotte Wattebausche und Anhimmelung. Konkreter. Klarer. Realistischer. Interessanterweise zieht es mich in den letzten Monaten wieder dorthin. Nach jahrzehntelanger Pause. Es ist die Natur, die mich ruft. Es ist meine Geschichte, die mich ruft. Die First Nations sind ein großer Teil meiner Identitität und die will wieder lebendig pulsieren. Energie tanken. Dort, wo sie herkommt. Und dabei auch alles Andere von Nahem betrachten. Ich weiß, es gibt auch hier etwas, das gut ist. Anziehend. Inspirierend. Und das möchte ich wieder entdecken.

 

 

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