Hilfe in die Abhängigkeit

Erste Impressionen vom Himalaya

 

                © Helmut Wegmann / pixelio.de               © Sabine Kardel / pixelio.de                © Peter Freitag / pixelio.de

Der gesamte Flieger scheint voller „Gutmenschen“ zu sein. Es wimmelt vor Leuten, entweder im Namen ihrer eigenen Hilfsorganisation oder im Auftrag eines größeren Projektes nach Nepal unterwegs sind. Die Gespräche drehen sich um nichts Anderes. Ich bin umgeben von enthusiastischen Weltverbesserern. Es fühlt sich verwirrend an, wie ein schiefer Horizont. Und ich frage mich, warum es ausgerechnet Nepal sein muss, in das es alle diese Menschen zieht. 

 

Natürlich gab es da das Erdbeben. Natürlich sind die Kinder hier mit ihren wunderbaren großen Augen und die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen etwas, das auch das eigene Herz im Sturm erobern und öffnen kann. Aber erklärt das schon alles? 

 

Ich weiß es nicht. 

 

Ich weiß nur, das ich mich in diesem Flieger fast wie auf einem fremden Planeten fühle. Und irgendwie scheine ich fast die Einzige zu sein, die dieses Land einfach nur besuchen möchte. Mich zieht etwas an, das sich in meinen Erinnerungen wie ein roter Faden zeigt. Eine tiefe spirituelle Verbindung zum Himalaya. Das bringt mich hierher. Und beim Anblick der Bergspitzen, direkt vor meinem Flugfenster, sind Tränen in meinen Augen. Die ganze Kette liegt vor mir im ersten Morgenlicht. Die Gipfel schauen über die Wolken und winken mir zu. Willkommen!

 

Die ersten Eindrücke in Kathmandu sind ein perfekter Paukenschlag. Chaos. Pures lautes, trommelfellerschütterndes, wirres Chaos. Der Verkehr ist mörderisch, in jedem Buchstabensinn. Jeder fährt, wie es ihm gefällt. Regeln? Fehlanzeige. Noch schlimmer als Lärm und Hektik ist jedoch die Luft. Vollgepumpt mit den Ausdünstungen von gepanschtem Benzin, fällt das Atmen schwer. Eine meiner ersten Anschaffungen ist denn auch eine Atemmaske, die allerdings bei den Temperaturen auch nicht wirklich super gut zu tragen ist. Aber es bleibt keine Wahl, möchte ich nicht innerhalb kürzester Zeit mit einen Lungenentzündung im Bett landen. 

 

Fünf Tage Kathmandu - das sind mindestens drei zu viel. Aber sie bescheren mir einen ersten Einblick in eine faszinierende Kultur und eine Gelassenheit, die auf er einen Seite bewundernswert, auf der anderen Ursache für pure Stagnation ist. Zufriedenheit mit dem eigenen Los und Leben - das vermitteln die beiden Hauptreligionen von Nepal - Hinduismus und Buddhismus. Doch sie binden auch die Hände, wenn es darum gehen würde, etwas am eigenen Schicksal zu verändern. Sie lassen die Leute eher zurückweichen, als Dinge in die Hand zu nehmen. Kein Wunder, das diese ein Paradies für „NGO’s“ ist, eine Paradies für Hilfsorganisationen aller Couleur. Denn es herrscht ein riesiges Vakuum, das allerdings mit jeder fremden Hilfe noch vergrößert wird. Warum? Fremde Hilfe bedeutet, das ich mir nicht mehr selbst helfen muss. Sie bedeutet, das ich die Hände in den Schoß legen kann und warten, bis jemand von Außen sich meiner Probleme annimmt. Und wenn nicht? Dann haben es Karma und Götter so bestimmt. 

 

Meine erste Faszination bleibt. Sie begleitet mich durch die drei Wochen in Nepal. Auch wenn mich die offenen Fragen und Probleme anspringen. Doch genauso erreichen auch diese unauslöschlichen Bilder des Himalaya meine Seele. Der Sonnenaufgang vor der Annapurna-Kette. Diese Blicke in tiefe grüne Täler, aus denen auf der gegenüberliegenden Seite wie eine eisbegrenzte Märchenwelt 8000er emporwachsen. Die Gesänge der Mönche in den buddhistischen Klostern lassen mich in tiefe Meditation versinken und in Erinnerungen an Leben, die längest vergangen sind. Und diese unendliche Religiosität der Menschen lässt mich staunen. Immer neue Bilder erreichen meine Augen, sinken hinab und verankern sich zu einer stetig wachsenden Liebe zu diesen wundervollen Menschen.

 

Ich komme wieder. Ich möchte soviel mehr wissen und erfahren. Von der Welt dieser Menschen. Ihrer Kultur, ihrer Sprache, ihren Religionen, ihrem Leben. Ich möchte soviel höher und weiter in diese Wunderwelt des Eises ziehen. Nicht um Gipfel zu erstürmen. Nicht, um zu erobern. Nicht um mich selbst zu beweisen. Nein, ich möchte nur fühlen, fühlen, fühlen. Mit Stille um mich herum möchte ich die Berge mit meiner Seele umarmen. Om shanti.

 

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