Hetzjagd Leben

Novemberrückschau

                     © Petra Marx / pixelio.de                        © erysipel / pixelio.de                         © RainerSturm / pixelio.de

Ein intensives Jahr liegt hinter mir. Ich bin wieder in den Novemberblues Deutschlands eingetaucht und lasse langsam die Bilder dieses Frühlings, des Sommers und des Winters in mir vorrüberziehen. 

 

Es war nicht einfach, weil diese Welt um mich herum ständig schneller und schneller rotiert, wie ein irrsinniger Derwisch. Das spüre ich an allen Ecken. Zum Beispiel an der Überzahl der Touristen, die wie Verhungernde in die Länder der Erde strömen, die Ursprünglichkeit, Freiheit, Weite und Wildnis versprechen. Alles das, was ihnen zu Hause, in ihrem Alltag fehlt.... Es wird immer voller an diesen schönsten Ecken der Welt.

 

Es ist sichtbar an der Art der Menschen, die kommen. Sie haben einen immer volleren Alltag zu absolvieren, wie das verhasste Pflichtprogramm eines Olympiakämpfers.

 

Und immer stärker wird der Urlaub zu der Zeit, was alles wieder richten soll. Die für alles entschädigen muss. Ich habe niemals mehr wild knipsende Menschen erlebt, als dieses Jahr. Ständig und stetig darum bemüht, diesen Moment einzufangen. Natürlich mit der Folge, das sie diesen Moment niemals erleben können, weil sie ja die Suche nach der besten Kameraeinstellung beschäftigt hält.... Ich stehe daneben und schüttle den Kopf. Was ist von meinem Erlebnis denn noch erlebar, wenn ich aus einem Bus stürze und sofort drauflosknipse? Wann bin ich denn noch wirklich da, wo ich gerade stehe? Davon ganz abgesehen, das es in einem Land, in dem Armut herrscht wie purer Voyeurismus daherkommt. "Oh, toll, das ist soooo herrlich exotisch. Muss ich knipsen." Und so kommen Frauen, Kinder und Männer vor die Linse, die niemand gefragt hat. Genauso wie die Landschaften.

 

Diese Fotos werden dann natürlich auch sofort verschickt. Jeder muss teilhaben, was man gerade erlebt. Das wichtigste, wenn ich jetzt mit einer Gruppe ins Hotel komme, ist tatsächlich der WLAN-Code. Und dabei ist es vollkommen egal, in welchem Land man sich gerade befindet. Auch GPS Systeme werden ständig präsenter. Der Blick auf den Bildschirm ersetzt den in die Landschaft. Und eine Wanderung wird erst dann greifbar, wenn sie sich auch mit den entsprechenden Zahlen versehen lässt. Als wäre das Gefühl nicht mehr existent.

 

Was mir auch aufgefallen ist; die Länder werden zu bloßen Bestenlisten. Frei nach dem Motto: "da muss ich noch hin, das ist noch weiter weg". Dabei werden sie für mein Gefühl abgehakt. Nur noch abgehakt. Und - je ausgefallener, umso höher ist das Prestige sie im persönlichen Portefolio ausweisen zu können. Ecuador, Kapverden, Südsee, Nepal.... Alles schon gesehen. Doch was heißt denn sehen, wenn es nur einen 2-wöchigen Urlaub gibt? Und wenn man niemals wiederkommt, um tiefer zu schauen. Was heißt verstehen, wenn die Tage angefüllt sind mit Fotografieren und lautem Reden? Was bleibt von dem Land denn wirklich im Herzen hängen? Ist es nicht nur noch zur bloßen Kulisse degradiert auf dem Jahrmarkt persönlicher Eitelkeit und Ich -Zentriertheit?

 

Ich habe viel gezweifelt, in diesem Jahr. An mir, dem Sinn meiner Arbeit und dem Sinn meines Lebens hier überhaupt. Der November ist dazu da, zu sortieren. Innerliche Rückschau zu halten.... Meinen Platz neu zu betrachten. Und das loszulassen, was nicht zu mir gehört.

 

 

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
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Foto: Heike Würpel
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Foto: Heike Würpel
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Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
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Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de