Durch Wind und Sturm

Allein auf einem fremden Planeten

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Was ist hier nur los? Was ist mit den Menschen geschehen und dieser Welt? Warum läuft alles in eine Richtung, die sich so vollkommen wahnsinnig anfühlt? Wohin rennen die Leute? Und warum lassen sie sich mehr und mehr unter Druck setzen?

 

Ich bin fassungslos. Vollkommen fassungslos. Diese Wochen vor Weihnachten treiben den Wahnsinn auf die Spitze. Ich erlebe ein Land, das atemlos einer vor die Nase gehaltenen vermeintlichen Möhre hinterherhetzt ohne auch nur einen Augenblick Atem zu holen, innezuhalten und nachzudenken, wer die Möhre hält und warum. Die Firmen überbieten sich mit Weihnachtswerbung, die Radios quellen vor verklärtem Glockenklingeln über und jedes zweite Wott, das ich irgendwo höre, heißt - Geschenke. Es ist nicht nur zum Wegrennen, es macht mich krank und wütend. Es hat nichts - absolut überhaupt gar nichts mit dem Fest zu tun, das von Liebe spricht. Liebe? Gnadenloser,  grenzenloser Konsumwahn ist es, nicht mehr. Um all' das zu übertünchen, zu verstecken und zu verschleiern, worum wir uns in dieser Welt wirklich Gedanken machen sollten.

 

Und als ich dann noch quer durch Deutschland fahre und diese unglaubliche Agressivität auf den Straßen erlebe, bleibt mein Glauben an ein anderes Morgen fast auf der Strecke. Nun - ich bin mit ca. 80 km/h unterwegs. Das ist die einzige Geschwindigkeit, bei der ich meine Umgebung noch bewußt wahrnehmen und genießen kann. Alles andere ist mir zu schnell. Nur - welcher LKW lässt das schon noch über sich ergehen? Wer drängelt denn nicht mit Lichthupe hinter mir her und fährt mir fasst in den Kofferraum?

 

Ich muss immer wieder an Momo denken und die grauen Herren. Die Menschen brauchen keine grauen Herren, das kriegen sie prima alleine hin. So viele wütende Stinkefinger, verkniffene Gesichter und empörte Blicke habe ich noch nie geerntet, wenn ich einfach nur durch's Land fahren wollte. Hier haben es alle eilig, warum auch immer. Jeder rast auf ein unbekanntes Ziel zu, nur um beim Ankommen festzustellen, das ihm noch weniger Zeit bleibt als je zuvor. Es ist einfach alles falsch herum und jeder tut so, als wäre es goldrichtig. Die Welt ist verrückt. So einfach ist das. Sie ist verrückt. 

 

Und ich stehe daneben, schüttle mit dem Kopf und komme mir dabei ziemlich allein vor. 

 

Bis ich dann doch, nach ziemlichen Erschütterungen in meiner eigene Kraft ankomme. 

 

Gut. Die Welt ist verrückt. Die Menschen sind wahnsinnig. Aber ich bin es nicht. Ich bleibe bei 80 km/h und dem Genießen des Lebens. Ich bleibe bei der Liebe zur Stille und Langsamkeit. Ich lasse sie alle rasen, sich den Kopf zerbrechen, sich zu Tode ängstigen und sich Sorgen machen, bis der Arzt kommt. Ich kann ihnen nicht helfen. Ich kann niemandem helfen. Aber ich kann sagen, schreiben und ausdrücken, was ich sehe. Und vor allem - ich kann, ich selbst sein. Und damit ein deutliches Zeichen setzen. So in etwas, wie ein Leuchtfeuer in einem stürmischen, tiefschwarzem nächtlichen Ozean, auf dem die Wellen himmelhoch über den kleinen Segeljollen hereinbrechen. Ob sie es nun sehen wollen, können, dürfen oder nicht. Egal. Ich bin einfach da.

 

Also - ich fliege nach Finnland. Weg von deutschen Autobahnen. Weg von leergekauften Verkaufsregalen, überforderten DHL-Fahrern und Postbeamten. Weg von hysterischen Konsumenen. Ich gehe. Einen Tag vor Weihnachten. Nach Finnland. Hinein in ein echtes Winterwunderland. Dicke Schneeflocken. Tief verschneite Wälder. Das reinste Märchen. So, wie ich mir ein Weihnachtsmärchen vorstelle. Und am 24.12. wartet das Nordlicht auf mich. Mitten in der Wildnis. Direkt am See. Ganz kurz nur. Wie eine Verheißung. Wie ein Gruß.

 

Ich bin in meiner Welt. Dort, wo es Frieden gibt und Schönheit. Dort, wo Staunen zu Hause ist und das Alleinsein kein Makel sondern die Erfüllung aller Wünsche darstellt. Da, wo es normal ist einsam durch den Wald zu stapfen, dem Knirschen des Frost's zu lauschen und die Schneeflocken auf der Nase schmelzen zu lassen. So fühlt es sich richtig an. Ja, so geht es auch. Und parallel dazu tobt - auf einem anderen Planeten, in jedem Haus, jedem Dorf, jeder Stadt eine andere Realität. Eine, an der ich nicht teilhaben kann und es auch auf gar keinen Fall mehr möchte. 

 

Wo immer diese Welt hinsteuert, ich gehe in eine andere Richtung. Aufrecht. Offen. Sichtbar. 

 

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