Wo mich die Liebe hinführt

Licht in dunkle Ecken

 

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Ich dachte, alles wäre klar. Gegessen. Aufgeräumt. Innen und Außen. Aber es gab noch eine Erkenntnis in dieser Liebe, die offen war. Eine weitere Drehung in der Spirale. Ein Stück tiefer. Umfassender. Schmerzhafter.

 

In den letzten Tagen habe ich mich fasziniert in "Fifty Shades of Grey" vertieft. Und dabei ungewollt meinen eigenen Facetten in die Augen geschaut. Facetten, die jede Frau kennt. Vielleicht nicht unbedingt als Unterwerfung, aber zumindest als Rücksichtnahme. Rücksichtnahme auf die Launen und Regungen des Mannes, den sie liebt. Ein Verzeihen, Vergeben, Erklären und "unter den Tisch kehren". Immer auf die eigenen Kosten. Das wird als Liebe propagiert, in unserer Gesellschaft. Nicht nur das oben genannte Buch ist voll davon. Es ist überall zu spüren. Überall zu sehen.

 

Im gleichen Atmenzug begeben wir Frauen uns in die Rolle der Helferin und Heilerin. Derjenigen, die versteht. Derjenigen, die hinter die Kulissen schaut und mitfühlt. Derjenigen, die auf einer Art Rettungsmission unterwegs ist. Frau rettet Mann vor sich selbst, seinen Ängsten, seiner Vergangenheit, auf das eine strahlende Zukunft entstehen kann. Was nichts anderes heißt als - Frau übernimmt Verantwortung für den Mann. Verantwortung, die auf ihren Schultern nicht das Geringste zu suchen hat.

 

Genau dieses Spiel habe ich auch gespielt. Sowohl einmal beruflich als auch privat. Soweit ich es überblicken kann, in fast jeder Liebesbeziehung, die ich jemals gelebt habe. Nicht nur in diesem Leben. Und nicht nur bei der, jetzt auf Eis liegenden, letzten Achterbahnfahrt meines Herzens.

 

Ich war diejenige, die gespürt hat, was mit dem Mann los ist. Ich habe einen siebten Sinn für die Nöte, die Ängste, sinnloses Leid und lautlose Hilfeschreie. Das ist eine wunderbare Eigenschaft sofern sie nicht mit Selbstaufgabe und Aufopferung für die Bedürfnisse und das Leben des Partners endet.

 

Nur - dort endet sie in der Regel. Auch bei mir. Ich bin am gleichen Punkt gelandet. Bei der Fokussierung auf den Mann, den ich liebe. Bei der Anpassung meines Lebens an seine Wünsche. Mehr oder weniger versteckt. Teilweise so gut unter der Oberfläche verborgen, das es nur extreme Verhaltensweisen ans Tageslicht spülen. So, wie ich sie in den letzten Tagen wieder erlebt habe. 

 

Erst kam die Fassungslosigkeit und die Trauer. Dann der Schmerz. Und dann - rotglühende, pulsierende, feurige Wut. Auf ihn. Auf mich. Auf mein Zulassen und sein Sein. Auf das, was er nicht ist. Und das, was möglich gewesen wäre. Wut auf die Gesellschaft, die uns die Liebesbilder in den Kopf geimpft hat. Auf eine Welt, in der die Gefühle so verquer miteinander verwoben sind, das ein Entwirren dem Lösen des gordischen Knotens gleicht. Auf Menschen, die das Ideal der Liebe weiterhin an Selbstaufgabe koppeln und jedes gelungene Experiment auf den Sockel heben und bejubeln. 

 

Es braucht ein großes Herz und viel Vergebung, um bei unserer Geschichte nicht auf die Barrikaden zu gehen und sich gegenseitig bis auf's Blut zu bekämpfen. Es braucht den Willen, aufzuhören. Einer muss die Spirale verlassen, dem Käfig Lebewohl sagen und damit das Spiel beenden.

 

Das tue ich hiermit. Ich höre auf - mit dem Hilfsprogramm, das den Anderen letztlich entmündigt. Ja, meine Liebe ist tief, sehr tief. Und sie wird nicht aufhören. Aber diese unseelige Verknüpfung hat für mich ihren Glanz verloren. Das ist kein Altruismus. Das ist nicht der Weg, der diese Welt und die Beziehungen von Männern und Frauen heilen wird. Es schafft nur Leid, Mißverstehen und viel, viel Schmerz.

 

Ich liebe dich, Anam Cara. Ich liebe dich weiterhin. Und ich liebe auch jeden anderen Mann in meinem Leben. Aber - ihr seid - um es mal ganz salopp auszudrücken -  für eure Scheiße selbst verantwortlich. Wenn ihr nicht in der Lage seid, zu kommunizieren, dann bin ich nicht dafür da, etwas aus euch herauszulocken. Wenn ihr eure Gefühle nicht zeigen könnt, dann ist das eure Entscheidung. Aber dann wundert euch nicht, wenn ich euch den Rücken kehre und nicht geduldig wartend mein Leben verpasse.

 

Wenn ihr Angst habt, geliebt zu werden, weil ihr nicht glauben könnt, das ihr dieser Liebe würdig seid, dann müsst ihr mit dieser Angst klar kommen, ihr auf den Grund gehen, euch damit auseinandersetzen und sie lösen. Wenn ihr das nicht tut, dann hat keine Beziehung eine Chance. Wenn ihr die Schuld dafür auf irgendeine Art und Weise der Partnerin in die Schuhe schiebt, wird sie gehen. Wenn ihr feige seid, dann müsst ihr euch selbst im Spiegel anschauen und damit leben. Es ist nicht mehr meine Angst. Es ist nicht mehr meine Feigheit. Es ist nicht mehr meine Aufgabe, irgend etwas davon für euch zu lösen. Ich werde mich ab jetzt umdrehen und euch damit allein lassen. Das bin ich der Liebe schuldig. Der Liebe zu mir selbst. Und der Liebe zu euch. 

 

Ja, ich lerne endlich, Grenzen zu ziehen. Es ist eine Wohltat und tastendes Neuland zugleich. 

 

Ich glaube, das nur dann, wenn jeder für sich selbst und sein Handeln die volle Verantwortung übernimmt und bereit ist, weiter zu gehen, sich in Frage zu stellen und neu zu erfinden, eine liebevollere Welt erschaffen werden kann. Von uns allen. Ich kümmere mich um meine Angst. Meine Feigheit. Meine Fehler. Meine Stolperschritte. Ich stehe dazu, wenn ich Scheiße baue. Und du tust in Zukunft einfach genau das Gleiche mit deine Themen. 

 

Wenn ich Hilfe brauche, kann ich dich fragen. Wenn du Hilfe brauchst, kannst du mich fragen. Aber jedem von uns steht es frei, wie er mit dieser Frage umgeht. Hilfe ist keine Selbstverständlichkeit mehr, die eingefordert werden kann, wann und wie es gefällt. Und auch das wird offen kommuniziert. Es klingt so logisch. Es klingt so einfach. Aber es ist ein Paradigmenwechsel auf allen Ebenen. Ein völlig anderes Verständnis von Liebe. Andere Rollenbilder von Männern und Frauen. 

 

Es ist Zeit. Wir haben eine Menge zu tun. Der gordische Knoten wartet! Und er ist definitiv lösbar.

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