Lauschen, wenn alles weghört

Sehen, was keiner sehen will

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Wieder bin ich in einem Land, an einem Ort, zu einer Zeit, in der ich gebraucht werde. Wieder beobachte ich das, was sich fremd anfühlt. Falsch und zerstörerisch. Wieder bin ich Zeuge und mein Herz weint, bei dem, was um mich herum geschieht. Wieder suchte ich die Stille und fand lärmende Menschen.

 

Wie oft wiederholt sich die Geschichte? Wie lange dauert es, bis wir verstehen, das unser jetziger Weg nur in unseren eigenen Abgrund führt? Wieviel muss geschehen, bis klar wird, das wir nicht gewinnen können, auf Kosten von irgendetwas oder irgendjemandem Anderen auf dieser Welt. Wir sind alle verbunden. Wir sind alle Eins. Was ich mit Füßen trete, trete ich in mir selbst mit Füßen. Was ich mißachte, mißachte ich an und in mir. Alles kommt zu uns zurück. Nichts geschieht ungesehen. Nichts gleitet in Vergessenheit. 

 

Es ist wie ein neuer Blick auf etwas, das ich selbst schon mitgefühlt habe. Was hier oben in Sápmi passiert ist und gerade geschieht, kenne ich aus meinen Indianerleben aus erster Hand. Bisher habe ich es noch gar nicht richtig an mich herangelassen, weil ich ahne, wie tief es mich erschüttern wird. Doch die Bilder bahnen sich ihren Weg. Die Worte wollen heraus. 

 

Zur gleichen Zeit erlebe ich hier auch, hinter den lauten Tönen die Herzen der Menschen. Ich spüre das Gute in ihnen. Die unglaubliche Hilfsbereitschaft, die lachenden Augen. Es ist alles da. Gleichzeitig. Seele und Vergessen. Liebe und Lärm. Diesmal verliere ich nicht den Glauben an die Menschheit. Diesmal verliere ich mich nicht im Verzweifeln an dem, was verloren zu sein scheint. Es ist nicht verloren. Es ist nur gut versteckt unter einer harten Schale. Unter einer wilden Oberfläche. Reißendes Wasser und darunter reine Perlen. Es kommt auf meinen Blick an. Es kommt auf meine Zuversicht an. Es kommt darauf an, was ich bereit bin zu sehen. Wie weit ich wirklich schauen möchte. Ob ich den Grund erblicke, oder bei den schlammigen Schichten hängen bleibe.

 

Alles wahrzunehmen - darum bin ich hier. Alles. Und meine Liebe, meine Zuversicht, meinen Glauben und meine Hoffnung ungeachtet aller gegensätzlichen Strömungen niemals zu verlieren. Ich bin auch hier, um direkt in die Wunden zu zeigen, die offen schwären. Weil ich die Worte dafür habe. Weil sie in mir leben. Und weil ich sie anzuschauen bereit bin. Ich bin hier, um das Land zu fühlen, seine Botschaft zu verstehen und hinauszutragen. Doch das alles mit einem weit offenen Herzen. Für jedes Wesen. Das, das lärmt und das, das niedergetreten am Boden liegt.

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