Die Suche nach dem Unberührten

Wo ist das Paradies geblieben?

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Hier oben, mitten im Atlantik, stelle ich fest, was ich gesucht habe. Immer. Überall. Einen Platz, weit weg vom Treiben der Menschen. Einen Ort, der unberührt geblieben ist von ihrem Wirken, ihrer Angst und ihrer Zerstörungstendenz. Ich habe das perfekte Paradies gesucht. 

 

Jetzt stehe ich hier. Verzweifelt. Weinend. Zerschlagen. Und muss mit offenen Augen schauend gestehen, das die Suche vergeblich bleiben muss. Menschen sind überall. Ihr Sein ist in jedem Winkel der Erde spürbar. Ihre Energie ist in jede noch so einsam und gottverlassen wirkende Ecke dieses Globus gekrochen. Ich kann gehen, wohin ich will. Ich kann fliegen soweit ich will. Sie waren und sind schon da. Mit allem, was sie ausmacht. Mit allem, was sie mit sich herum tragen. Allen Sorgen, Nöten, Gedanken und Traumatas. Ihrer Gedankenlosigkeit und ihrer Ich-Bezogenheit. Ich sehe ihren Müll in jedem Meer herumschwimmen. Ich sehe die Plastikabfälle in jedem Winkel liegen. Ich höre ihren Autolärm, ich bin von ihren Gesprächsfetzen eingehüllt. Ich schaue ihren Bemühungen zu, sich in den Mittelpunkt des Geschehens zu platzieren, ohne Rücksicht auf irgend etwas oder irgend jemanden anders. Es ist vollkommen egal, ob ich auf den Azoren, den Färöer-Inseln, Grönland, Island oder auf den Kapverden stehe - es ist überall gleich. 

 

Es gibt keinen Ausweg. Es gibt keine Flucht. Es gibt kein No-Man-Land. Nicht auf dieser Erde. Ich habe nach dem Falschen gesucht. 

 

Oder?

 

Nicht ganz. Es gibt die Stille. Es gibt die unendliche Weite. Es gibt diese herrliche energetische Ruhe im Äther, wenn keine hektischen Gedankenwellen um mich herumschwirren, wie kläffende Hunde auf der Suche nach Futter. Aber sie ist nicht dort, wo ich vermutet habe. Sie ist nicht in einem großen perfekten Bild sondern mittendrin im Chaos. Sie ist überall, wo ich sie sehen will. Dort, wo ich bereit bin, sie wahrzunehmen. Neben den Hochspannungsleitungen, mitten im Dreckschaum des Ozeans. Hinter den lauten Rufen der Touristen, dem Knattern der Motorräder, den Schreien der Kinder.

 

Das heißt nicht, das ich mitten in das Chaos hineintauchen und dort verharren muss, um Meisterschaft zu beweisen. Nein, ich werde weiterhin weit, weit weg gehen. Dorthin, wo die Luft noch atembar und das Wasser trinkbar ist. Wo jeder Schluck ein Genuss ist. Für Lunge und Kehle. Aber ich werde auch nicht mehr verzweifeln, nur weil mit mir eine Flut von wild herumplappernden Wesen herumläuft, die samt Kamera und Drohnen versucht, ihr Leben festzuhalten, in diesem Augenblick, den sie hinter den Augen der Maschine längst verpasst haben. Sie sind da. Gut, ich gehe einfach einen Schritt beseite und lasse sie herumtoben. Es gibt immer einen Platz für mich. Neben ihnen. Abseits. 

 

Ja, da bin ich richtig. Abseits. Ich will nicht dazu gehören. Und das geht auch ganz ohne Flucht. Mittendrin. Hier, wie im Auge des Sturms, lausche ich meinen Gedanken und verschmelze mit der Unendlichkeit. Hier, mittendrin, ist das, was ich gesucht habe. Mein Paradies. Frieden.

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