Wo die Welt zu Ende ist

 Und die Seelen nach Hause ziehn

Fotos: Heike Würpel

Nach dem Glauben der Maori ist Cape Reinga oder Spirits Bay der Ort, an dem ihre Ahnen nach Hause gehen. Sie verlassen die Erde, sie verlassen das Land und ziehen in ihre Heimat. Vielleicht ist mir der Ort deshalb so nah. Schon seit dreizehn Jahren. Seit ich ihn zum ersten Mal gefühlt habe. Damals war ich mit einer Gruppe unterwegs, weil es keine andere Möglichkeit für mich gab, hier herauf zu kommen. Heute geht eine asphaltierte Straße bis an den Rand dieser Welt und nimmt mich mit an den Ort meiner Wünsche.

Die Straße ist abwechslungsreicher als ich sie in Erinnerung habe. 120 Kilometer führt sie mich an den nördlichsten Punkt von Neuseeland. Hier oben gibt es nur kleine Siedlungen, vertreuter Häuser, Farmen am Wegesrand. Die letzte Stadt im Norden - Kaitaia - liegt schon lange hinter mir. 

 

Die Farmen werden weiter, größer. Das Land schluckt sie, lässt die Zäune verschwinden und das Grün gewinnen. Der Himmel ist präsenter als jedes menschengemachte Konstrukt. Nicht spielt mehr eine Rolle, von dem, was in Stein und Holz erbaut wurde. Jede Trennung wird zu einem Witz in dieser überwältigenden Präsenz der Ewigkeit. 

 

Die goldgelben Dünenberge von Te Paki grüßen mich am Horizont und hinter der nächsten Biegung kommt zum ersten mal Van Dieman Land in mein Blickfeld. Eine Bucht, wie aus dem Bilderbuch meiner Paradiesorte. Ich atme Weite, ich sehe Weite, ich fühle sie, schwimme in ihr, bade in ihrem Glanz und spüre wie die Unendlichkeit mich so sacht umfängt und nach Hause führt, wie eine Feder im Wind schwebt. Himmel, Erde, Wasser. Alles ist Eins, alles ist in mir und ich bin in ihm.

 

Meine Augen brauchen keinen Horizont, sie versinken im Wellenspiel der beiden Ozeane, die sich hier treffen und möchten niemals wieder davon lassen. Der stürmische Wind zaust meine Haare und will mich am liebsten mitnehmen aus seiner Reise zur Antarktis. Und in jeder Richtung wartet die Steilküste, schroffe Abhänge und darunter die schäumende Brandung, die sich mit dem Sand der Erde vermählt. 

 

Meine Seele ist hier und gleichzeitig weit weg. Dort, wo meine Heimat ist. Im Land der Unendlichkeit, im Land, in dem alle Wege zusammen führen. Cape Reinga, du bist ein Tor zu dieser anderen Welt. Eine Tor hinüber, zu dem, was ich wirklich bin. Ein Tor zum Himmel.

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