Die Stärke der Frauen

Meine Welt rückt gerade

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Männer sind das starke Geschlecht. Dachte ich. Männer wissen, wo es lang geht. Dachte ich. Männer haben den Überblick. Dachte ich. 

 

Der letzte Monat hat mich das Gegenteil gelehrt. 

 

Ich war mittendrin, in der ur-männlichen Domäne der Jagd und habe gesehen, was hinter dieser vermeintlichen Heldenschale steckt. Ein verletzliches Wesen, so wie ich es bin. Eine fragile Seele, so wie es meine ist. Ein Herz, das versucht, im Einklang mit der Liebe zu schlagen und oft das genaue Gegenteil bewirkt, so, wie Meines. Ein Verstand, der versucht, das Richtige zu tun und dabei so oft alles umschmeißt, was er vorher erbaut hat. 

 

Männer sind keine Helden, sie haben nur ein Heldenbild gestrickt, um die eigene Unsicherheit zu überspielen. Männer haben ihre eigenen Rituale und Abgrenzungen zu uns Frauen erfunden, damit keiner hinter ihre Fassade zu schauen wagt. Eine "rotzige Sprache" zum Beispiel, gespickt mit Fluchen und Überheblichkeiten. Voller Abwertungen gegen alle, die anders denken. Bewertend und verletzend. Ich war über zwei Wochen inmitten dieser "kernigen" Mannsbilder, für die Waffen der neue Sinn des Lebens zu sein scheinen und Jagen über alles geht. Ich habe die Jägerprüfung gemacht und bestanden.  Ich wollte diese Welt verstehen und die Menschen, die in ihr aufgehen. Ich wollte mich selbst testen und meinem Gefühl folgen. Ich wollte lernen, mit Waffen umzugehen, weil ich mit ihnen in Grönland ständig zu tun habe. 

 

Ich musste mir Vieles selbst beibringen, weil keiner da war, der sich in meine Welt des "Nicht-Wissens" und "Untechnischen Herangehens" auch nur ansatzweise hineinversetzen konnte. Ich musste meinen eigenen Weg finden, mir das beizubringen, was ich wissen wollte. Ich habe erlebt, wie sich um mich herum eine Männergruppenwelt formierte, von der ich weder Teil sein wollte noch konnte. 

 

Ich habe unsere Verschiedenartigkeit erlebt. Und ich habe meine Kraft, Stärke, Klarheit und meine Standfestigkeit erlebt. 

 

Ich habe Nein gesagt und Stop, wo keiner sonst es tat. Ich habe meinen Mut gefühlt. Den Mut, aufrecht stehen zu bleiben. Mich nicht zu verstecken. Nicht klein bei zu geben und nicht zurückzuweichen. 

 

Ich habe gefühlt, was hinter all der Show wirklich steckt. Unsicherheit. Verletzung. Angst. So, wie ich sie auch immer wieder in mir fühle. Männer haben nur eine völlig andere Art, damit umzugehen. Sie verstecken sie. Hinter dicken Mauern aus Scheinstärke. Hinter Stacheldrahtzäunen aus Unzugänglichkeit. Hinter Überlegenheit aus Wattebäuschen. 

 

Frauen zeigen sich. Sie weinen die Tränen, sie lassen die Verletzung sichtbar werden und sie stehen zu ihrer Angst. 

 

Wer also ist hier der Starke? Was braucht wohl mehr Mut?

 

Mein Männer- und mein Frauenbild sind seitdem im freien Fall der Veränderung angekommen. Alles dreht sich um, alles wird zerschreddert und neu zusammengesetzt. 

 

Das ist ein unerwartetes Geschenk dieses Jagdkurses. Und ich konnte es nur erleben, weil ich in diese Welt hinein gegangen bin, die so extrem Mann-Sein spielt. Nirgendwo sonst war das möglich. Nirgendwo anders, wird es so krass und deutlich gelebt. Nur dort konnte ich es durchschauen. Und eine neue innere Welt aufbauen. 

 

Eine Welt, in der jeder seine Stärken hat. Jeder seine Schwächen. Jeder seine Ängst, jeder seinen Mut. Eine Welt, in der ich hinter die Fassaden schauen und umarmen kann, was ich sehe. Eine Welt, in der ich mich in einer Stärke spüre, die ich nie glaubte, verkörpern zu können. Eine Welt, in der ich super, super stolz darauf bin, das ich eine Frau bin. Eine Welt, in der ich jetzt auf jeden Mann zugehen kann. Weil ich weiß, was hinter all dieser Schale steckt. Weil ich sehe, das da mehr ist, viel mehr, als er bereit ist, zu zeigen.

 

 

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