Klänge in der Lavawüste

© Heike Würpel

Das Leben ist hart auf diesen Inseln. Und - nein, ich möchte nicht tauschen. Überhaupt nicht. Das ist es, was ich mitnehme. Die Kapverden haben mich geschockt. 

 

Umso mehr überrascht mich immer wieder diese unglaubliche Lebensfreude, das Lachen, die Fröhlichkeit, die Musik. Wie schaffen es diese Menschen nur, so zu sein, inmitten ihres Lebens? Eines Lebens, das nicht einmal im Ansatz mit meinem vergleichbar ist. Für meine Augen ist da Elend, Armut, harte Arbeit, Entbehrung, Durst, Staub, Hitze, stechende Sonne und noch mehr Staub. Für meine Augen kämpfen sie jeden einzelnen Tag ums Überleben. Meine Augen sehen Müll. Sie sehen Lava. Sie sehen Inseln, auf denen keine Menschen leben sollten. 

 

Es fällt mir schwer, die Schönheit zu sehen. Zu sehr überrollen mich Temperaturen, Lautstärke, Kriminalität und dieses Gefühl, auf einem Wüstenplaneten gelandet zu sein. Ich gehöre hier nicht hin. Niemand gehört hier hin. 

 

Die Geschichte, eine Geschichte der Sklaverei. Keiner kam freiwillig hierher. Doch jetzt bleiben sie, freiwillig. Weil das ihr Platz geworden. Doch lässt er sie leben? Es ist jedes Jahr fraglicher. Der Klimawandel ist besonders hier extrem spürbar. Und macht diese winzige Marge zunichte, die den Menschen hier geblieben ist.

 

Ich weiß nicht, ob es einen Weg gibt, diese Inseln zu einem Paradies zu machen. Ich weiß nicht, ob es das einmal war. Ich sehe nur, das dieses Land schon weit über den Rand der Balance gefallen ist.

 

Das unglaubliche Blau des Ozeans. Der weiße Strand. Die steilen Berge von Santo Antaõ. Die kleinen grünen Terassen-Enklaven. Das lebende Feuer des Vulkans. Die heiße Glut der Männer. Die Jugend der Menschen. Die Musik in ihrem Blut. Der Rhythmus der Körper beim Tanzen.... Wie kleine Bruchstücke formen sich die Bilder in meiner Erinnerung. 

 

Die prall gefüllten Märkte, endlose Straßenhändlerstände, die kleine Bäckerei mit süßen Leckereien der Portugiesen und immer, immer wieder - Lebensfreude. Inmitten einer Wirklichkeit, die ich oft nur als Hölle bezeichnen kann. 

 

Es ist ein Land, das mich zum ersten Mal nicht an Wiederkommen denken lässt. Es ist ein Land, bei dem ich zum ersten Mal froh bin, als ich es verlassen kann. Nein. Das ist nicht mein Platz. Aber ich wünsche den Menschen hier, das sie ihre Träume erfüllen können. Irgendwie. Die Kreativität haben sie. Sonst wären sie hier schon lange, lange untergegangen.

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