Der Klang meines Herzens

 Töne eines Landes

Fotos: Heike Würpel

Es ist für ich unmöglich, diesen Ort von der Musik zu trennen. Der Filmmusik, die mich hierher gebracht hat. Jeder Schritt, den ich an diesem Strand gehe, ist getragen von den Klängen in mir. Jede Zelle über davon gefüllt. Alles in mir singt und klingt diese Melodie. "Das Piano". Ich bin oft hier, an diesem Strand in diesem Winter. So oft es irgendwie möglich ist. Und mit jedem Mal wird die Verbindung tiefer und tiefer. Bis ich dann beim Hillary Trail über einen Tag lang dem kraftvollen Wellenschlag lauschen kan. Mich ihm näher, etwas entferne, das Licht über den Bergen in mich fluten lasse und die unendliche Weite des Sandes in den Augen brennt. 

 

Karekare. Mein Strand an diesem Ende des Regenbogens. Karekare. Jede Silbe ist ein Lied. Zärtlich gesungen wie eine sachte Berührung und kraftvoll wie die Brandung, die unablässig gegen die Küste rollt. 

 

Ich sitze auf einem dieser wasserverzierten Baumstämme, die mit ihren Mustern eine ganze Weltgeschichte speichern und bin ganz da. Vollkommen offen. Vollkommen präsent. Ich lausche der Stimme in mir, die endlich frei, leicht und ganz direkt zu mir sprechen kann. 

 

"Das ist nicht deine Heimat." "Das ist nicht deine Heimat." Der Satz zerreißt mir das Herz. Ich sitze am schönsten Ort, den ich mir auf Erden vorstellen kann und höre diese Worte? Warum? 

 

Weil es stimmt. Weil mich die letzten Tage hier mit der ganzen Wucht zweier Welten konfrontiert haben. So sehr, das ich nicht mehr wußte, wohin ich gehöre. So sehr, das ich nicht mehr wußte, wer ich bin. So sehr, das ich vergessen habe, wo meine Heimat wirklich ist. 

 

Die Schönheit dieses Landes hat mir den Atem genommen. Sie ist das, was ich mir immer gewünscht habe. Sie ist das, wovon ich immer geträumt habe. Grüne, blühende Steilküsten und wilde, weite Küste. Klares Wasser, das in immer neuen Kaskaden ins Meer strebt und Blüten, die im Wind tanzen. Endloser Ozean und endloser Himmel, die miteinander verwoben sind und dabei die schönsten Wolkengebilde hervorzaubern. Das hier ist mein Paradies. Das Ende der Wünsche und der Anfang der Welt. Ich war hier, als der Platz entstanden ist. Ich habe ihn ins Sein gesungen und geträumt. Mit meinen Brüdern und Schwestern. Er ist mein Traum und mein Himmel. Aber er ist nicht meine Heimat.

 

Meine Heimat ist nicht diese Erde. Meine Heimat ist nicht dieser Ort. Es ist nicht dieses Land, nicht dieser Kontinent und nicht diese Welt. Ich bin hier ein Gast. Ich reise durch die Unendlichkeit und mache Rast an dieser Quelle. Ich trinke vom Wasser und genieße die Kälte und die Labsaal. Aber ich bin nicht die Quelle. Ich spüre, wie der Unterschied in mir Form annimmt. Wie ich mich erinnere, an mein wirkliches Sein. Ein Sein weit jenseits dieses Körpers, dieses Geistes und dieser Seele. Ein Sein, das alles umfasst und doch nichts davon ist. 

 

Die Tränen in meinen Augen verebben, langsam. Ein langer stetiger Strom ist geflossen. Die Schmerzen sind gegangen. In mir keimt Frieden und Licht beginnt mich zu fluten. Die Sonnenstrahlen wärmen meine Haut, mein Feuer wärmt mich von Innen. 

 

Ich bin zu Gast und jede Identifikation mit diesem Trail, mit den Menschen und mit all den Wünschen, Bedürfnissen, Ängsten und Leistungsanforderungen löst sich von meiner Haut. Ich streife sie ab, wie einen Mantel. Das alles bin nicht ich. Ich bin nicht die Angst, den Weg nicht zu schaffen. Ich bin nicht die Angst, irgendwelchen Ansprüchen gerecht werden zu wollen. Ich bin nicht dieser gnadenlose Anspruch, mein ganzes Haben auf dem Rücken balancieren zu müssen. Ich bin nicht hier, um irgendwem, irgendetwas zu beweisen.

 

Ich bin nur hier, weil ich diese Welt in vollen Zügen fühlen, erleben und geniessen möchte. Ich möchte in sie eintauchen, baden und dann mit wasserperlenglänzender Haut auf dem heißen Sand sitzen und mich von der Glut der Sonne trocknen lassen. 

 

Ich bin hier, weil ich diesen Ort in all seiner Schönheit lieben will. Ohne jede Grenze, ohne jede Abwehr, ohne jedes Aber. Ich bin hier, weil mein Herz jedes Blatt steicheln möchte und jede Rundung liebkosen. Ich bin hier, um zu versinken und gleichzeitig ganz ich selbst zu bleiben. Ich bin hier, weil es eine Freude ist, hier zu sein. Pure Glückseeligkeit und Erfüllung. Alles Andere ist mir fremd. Es wird mir fremd bleiben. Denn es gehört nicht hierher und es ist nicht meine Aufgabe, es zu einem Ganzen zu machen. Es kann dort bleiben, wo es ist. Und ich, ich bleibe hier. Im Himmel.

Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Marco Schlüter / pixelio.de
Foto: Peter / pixelio.de
Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Foto: Herbert Raschke / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Foto: Susanne Richter / pixelio.de
Foto: roja48 / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
Foto: Peter A / pixelio.de
Foto: Carolin Daum / pixelio.de
Foto: Thomas Wiesendahl / pixelio.de
Foto: Uschi Dreiucker / pixelio.de
Foto: Bernd Kasper / pixelio.de
Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de
Foto: H.D. Volz - pixelio.de
Foto: hum / pixelio.de
Foto: Maren Beßler - pixelio.de
Foto: Rosel Eckstein / pixelio.de
Foto: Alexander Altmann / pixelio.de
Foto: Heike Würpel
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de