Nach der Wahl in Brandenburg

Der Schrei der Nicht-Gehörten

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Das war eine Protestwahl. Die AFD, mit weit über 20 % - DER Riesengewinner. Ein Ergebniss, das mich wütend macht. Richtig wütend. Weil die Menschen, die diese Partei wählen, handeln, als hätten sie ihren Verstand und ihr Herz beerdigt. Und nicht in der Lage sind, auch nur einen Milimeter hinter ihre eigene Fassade zu schauen. Hinter das, was sie motiviert und warum. Hinter das, was sie in die Lage gebracht haben, in der sie sich persönlich befinden und warum. 

 

Ich kenne das Gefühl, nicht gesehen oder gehört zu werden. Ich hatte es, genauso, wie Viele Andere, nach der Wende. Als von einem Tag auf den anderen alles, wirklich alles, woran ich glaubte, auf dem Müllhaufen landete. Der Tag, an dem mein bisheriges Leben für Null und Nicht erklärt wurde. Von Anderen. Und mein Selbstwert damit im Keller landete. Was gefordert war, war Anpassung. Totale Selbstaufgabe und komplettes Einordnen in ein System, an das ich nicht glaubte und das ich oft nicht verstand. Ein System, das mir all die Jahre davor als der Feind präsentiert wurde. Ich habe jahrzehntelang damit gekämpft, damit klarzukommen und einen Platz zu finden. Ich habe mich verbogen und es fühlte sich trotz allem nie richtig an. Und ich habe nach Außen gebettelt, das mich doch endlich jemand sehen und wertschätzen würde. Jemand, der meine Wunden bitte heilen soll.

 

Dieser Jemand existiert nicht. Und wenn ihr Alle noch soviel AFD wählt. Das sind nicht die Leute, die eure Wunden heilen. Das sind nicht diejenigen, die eure Köpfe tätscheln und euch wieder das Gefühl geben, jemand zu sein. Einen Wert zu haben. Eine Stimme. Das könnt nur ihr selbst.

 

Ihr seid diejenigen, die sich mit eigenen Händen aus dem Sumpf aus Selbstaufgabe und Verzweiflung ziehen müsst. Ihr seid eure eigenen Retter. Niemand sonst, da draußen. Da draußen sind nur Leute, die ihrer eigenen Agenda und ihren Zielen folgen. Ihr seid für sie Mittel zum Zweck. Es geht nicht um euch und eure Sorgen. Damit werden sie nur groß. Groß genug, um mitzumischen und durchzuziehen was ihnen wichtig ist. Ihr werdet nicht gewinnen, wenn ihr AFD wählt. Ihr werdet wieder verlieren und zuschauen dürfen, wie eure Werte noch einmal zertreten werden. Das ist alles. Und dann? Dann werdet ihr gar nicht mehr weiterwissen. 

 

Also hört endlich auf, darauf zu warten, das euch jemand aus eurem Elend erlöst! Ihr selbst habt dieses Elend heraufbeschworen. Ja, ich weiß wie das klingt. Ich weiß genau was das bedeutet. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen für die eigene Lage. Es ist super, super unbequem. Und es fühlt sich auf den ersten Blick alles andere als gerecht an. Denn - ja, es ist ein Haufen Scheiße passiert, nach der Wende. Und ja, wir wurden praktisch plattgebügelt, mit allem, was uns ausgemacht hat. 

 

Aber - wir haben uns auch plattbügeln lassen! Wir haben uns willig in die Rolle des Bettlers begeben! Wir haben bei dieser damaligen ersten Wahl das Geld gewählt und nur das Geld! Wir haben uns selbst an den Tropf gehangen und gehofft, daran aus unserer Misere herausgehoben zu werden. 

 

Denkt mal zurück, wie es damals war. Ich kann mich gut erinnern. An die Jubelrufe an Kohl. Die Sprechchöre. Es war gruslig für mich. Gruslig, euch zuzuschauen. Gruslig zu erleben, wie ihr mich damals mitverkauft habt. Für einen Silberling! Hat sich da irgendjemand für die Parteien interessiert, die unsere Wert vertreten wollten? Habt ihr euch auch nur einen Groschen darum gekümmert? Nein!

Ihr wolltet die Kohle. Ihr wolltet ein Stück vom Kuchen. 

 

Jetzt beschwert ihr euch über die Quittung. Lautstark. In Protestchören. Mit der AFD. Aber, dieses Suppe habt ihr euch selbst eingebrockt. Und niemand anders kann sie für euch auslöffeln. Niemand.

 

So, wie ihr euch damals selbst entmächtigt und verkauft habt, tut ihr es jetzt wieder.  Weil ihr immer auf die Stimme da draußen lauert und hofft. Bis heute. Wie Kinder, die auf Eltern hoffen. Und euch aus der Patsche helfen. Ihr wählt AFD, um die Eltern aufzuwecken, die euch damals so schmählich im Stich gelassen haben. CDU. SPD. Wie sie auch heißen. 

 

Nur, die Eltern kommen nicht. Sie hören nicht. Sie wollen nicht hören. Sie haben andere Probleme. Und schreien hilft nicht. Es zeigt nur, das ihr immer noch hofft, das euch jemand anders aus eurem eigenen Sumpf zieht.

 

Schaut euch an. Schaut euch wirklich mal an. Guckt mal in den Spiegel. Glaubt ihr wirklich, nicht wertvoll zu sein? Glaubt ihr wirklich, das ihr geborene Verlierer seid? Das das Leben sich nicht für euch interessiert? Das ihr einen Scheiß wert seid? Gibt es da kein Fitzchelchen Achtung für euch selbst? Kein Stück, das ihr für gut haltet? Für wichtig? Gibt es nichts in eurem Leben, das ihr gut hinbekommen habt? Nichts, wofür ihr euch selbt auf die Schulter klopfen könntet?

 

Das kann ich nicht glauben. Ich sehe euch anders, ganz anders, als ihr es tut. So, wie ich mich selbst gelernt habe, ganz anders zu sehen. So, wie ich es gelernt habe, mich selbst für wertvoll zu halten. Für wichtig. Und für absolut unkopierbar. So, wie ich gelernt habe, auf meine Vergangenheit stolz zu sein. Auf die Werte, mit denen ich in der DDR groß geworden bin. Sie waren wertvoll. Und da war verdammt viel, das weitaus besser war, als alles, was jetzt so läuft. Da ist so viel, das wir heute brauchen würden, mit all den Problemen, mit denen wir uns herumschlagen. Jetzt, heute und morgen. Wir brauchen euch. Aber nicht als blinde, wütende Kinder. Sondern als Menschen, die aufrecht stehen und wissen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist. Wir brauchen eure Stimme. Wir brauchen eure Erfahrungen. 

 

Also, wählt euch. Nicht irgend jemanden Anderen. Wählt Achtung und Respekt für euch selbst. Für eure Vergangenheit, eure Werte, euer Leben. Wählt es jeden einzelnen Tag. Jeden Moment. Und lernt, aufrecht zu stehen. Nicht weil ihr euch auf irgend jemanden stützt, sondern weil ihr es euch selbst wert seid!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

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