How dare we?

Wie können wir es wagen?

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Wie können wir es wagen, so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung? Wie können wir zuschauen, den Kopf in den Sand stecken und weiter machen, wie bisher? Wie können wir leugnen, was so offensichtlich ist, das es uns ins Gesicht springt und tiefe Furchen in die Haut schlägt.

 

Wie können wir es vor uns selbst verantworten? Wie? Und wie können wir es verantworten, die Menschen um uns herum so zu belügen, wie wir es gerade tun? Egal ob im Job oder privat? Als Bänker, Politiker, Boss oder Präsident?

 

Wie können wir weiterhin Werbeversprechen lauschen und kaufen, als gäbe es kein Morgen? Wie können wir weiterhin Firmen führen oder für Firmen arbeiten, die offensichtlich und überdeutlich unser aller Leben gefährden, bedrohen und mit Füßen treten? Wie können wir wissentlich die unterstützen, für die unsere Existenz keinen Pfifferling wert ist - verglichen mit ihrer. Wie können wir dem Geld den ersten Platz einräumen, anstatt atembarer Luft, trinkbarem Wasser und Nahrung für alle Menschen?

 

Wie können wir tagtäglich einen SUV aus der Garage holen, mit ihm durch die Stadt fahren und uns dabei noch groß vorkommen? Wie können wir Müll in den Wald kippen, wohl wissend, das wir morgen wieder hier vorbeikommen werden? Wie können wir Atomkraftwerke betreiben, deren Strahlung uns nicht nur jetzt sondern auf halbe Ewigkeiten verseucht?

 

Wie können wir so tun, als würden unser Handeln, unser Denken und unsere Entscheidungen keinerlei Wirkung haben? Wie können wir einen müllbedeckten Meeresboden nicht mit uns selbst in Verbindung bringen? Wie können wir für einen Kurzurlaub in den Flieger steigen und uns einreden, das Shopping in Barcelona für unser Wohlergehen absolut unabdingbar ist? 

 

Wie können wir die Toten ignorieren, die es überall auf der Welt gibt, weil wir darauf bestehen, unseren Lebensstandard mit Klauen und Zähnen zu verteidigen? 

 

Wir haben es bis heute meisterhaft verstanden, uns von dieser Welt abzuspalten, wie Schizophrene. Als wären wir kein Teil davon. Als wären wir irgendwo außerhalb. Als würde nichts etwas zählen, das wir tun. Als würde es überhaupt keine Folgen haben. Und als würden wir alles im Griff haben. 

 

Doch Fakt ist - wir haben überhaupt nichts im Griff. Wir haben gelogen. Auf der ganzen Linie. Wir haben uns selbst belogen. Uns getäuscht. Uns hintergangen. Und alles getan, um blind zu bleiben. Weil es sich so schön angenehm und kuschlig anfühlt. Weil es so schwer ist, von liebgewordenen Annehmlichkeiten Abschied zu nehmen. Von eingefahrenen Gleisen. Und bequemen Kompromissen.

 

Danke Greta, für die Erinnerung. Es tut weh, deine Verzweiflung zu sehen und zu fühlen. Es sollte unsere eigene sein. 

 

Was ich sehen und hören möchte, ist kein zustimmendes Lachen und kein Klatschen. Ich möchte kein Wortgeplänkel mehr und keine Beschwichtigungen. Ich möchte auch keinen endlosen Konsens-Debattierclub mehr erleben. Ich will hochgekrempelte Ärmel. Sofort. Nicht irgendwann. Vielleicht. Wenn alle zustimmen können, einen winzigen Milimeter aus ihrem Polstersessel zu rücken. Nein. Sofort! 

 

Ich möchte Politiker sehen, die den Arsch in der Hose haben, zu handeln. Egal, was die Industrie ihnen vorschreibt. Egal, was Lobbyisten flöten. Egal, welche Schmiergelder, wohin fließen. 

 

Ich möchte Firmenchefs sehen, die echte grüne Entscheidungen treffen, statt Ökologie nur als nettes Werbeschild zu mißbrauchen, um ihre alten Produkte weiterhin gut verkaufen zu können.

 

Ich möchte Menschen sehen, die aufhören, zu lügen. Aufhören zu jubeln. Und aufhören, Haßtiraden zu schüren gegen jeden, der den Finger in die echte Wunde legt. Ich möchte Menschen sehen, die sich ändern. Jetzt. 

 

Weil ich leben möchte. Weil ich in einer Welt leben möchte, die blüht. Nicht in einer, die verrottet. Weil ich mit Menschen zusammen sein möchte, die ehrlich sind. Zu sich selbst, dem Leben und der Welt. Weil ich diese Erde liebe. Weil ich weiß, das ein anderer Weg möglich ist. Und - weil ich weiß, das wir alle dazu imstande sind, ihn zu gehen. 

 

Wir können das. 

 

Wenn wir aufhören, uns etwas vorzumachen. 

 

 

 

 

 

 

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